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2. Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll (benannt nach dem Ort der Konferenz Kyōto in Japan) ist ein am 11. Dezember 1997 beschlossenes Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) mit dem Ziel des Klimaschutzes. Das am 16. Februar 2005 in Kraft getretene und 2012 auslaufende Abkommen legt erstmals völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern fest, welche die hauptsächliche Ursache der globalen Erwärmung sind.

Die im Protokoll reglementierten Gase sind: Kohlenstoffdioxid (CO2, dient als Referenzwert), Methan (CH4), Distickstoffoxid (Lachgas, N2O), teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW/HFCs), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW/PFCs) und Schwefelhexafluorid (SF6).

Das Protokoll sieht vor, den jährlichen Treibhausgas-Ausstoß der Industrieländer innerhalb der sogenannten ersten Verpflichtungsperiode (2008–2012) um durchschnittlich 5,2 % gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Trotzdem konnte es bislang nur wenig am allgemeinen Wachstumstrend der wichtigsten Treibhausgase ändern. Die Emissionen von Kohlenstoffdioxid und Lachgas steigen weiter unvermindert an. Der Ausstoß von Methan und verschiedenen Kohlenwasserstoffen hat sich aus anderen Gründen stabilisiert, so etwa durch den Schutz der Ozonschicht.

Staaten wie die USA und Australien haben das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert. Länder wie China und Indien haben nur geringe Auflagen erhalten.

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Der Autor

Hans-Werner Sinn gehört zu den gefragtesten und meistzitierten deutschen Volkswirten, was dem 61-jährigen Westfalen aus Brake in den Medien mittlerweile oft das Prädikat „Starökonom“ einträgt. Demographie, Aufbau Ost, Bankenkrise, Globalisierung oder Klimaschutz - keine Debatte, in der er nicht im Wortsinn „mitstreitet“. Als Präsident des Münchner Ifo-Instituts verfügt er über einen wissenschaftlich anerkannten Forschungsapparat, der seine Argumente mit Zahlen fundiert. Der Artikel basiert auf seinem Buch „Das grüne Paradoxon“, 2. Auflage bei Econ. (hig.)

Text 10. Lesen Sie den Artikel und geben Sie den Inhalt wieder. Bestimmen Sie bei der Wiedergabe die wichtigsten Schwerpunkte und nehmen Sie Stellung dazu:

Die Umweltpolitik muss neu definiert werden

Ob Reformation, Romantik oder Sozialismus. Deutsche sind idealistische Weltverbesserer, die sich vom Schwung ihres Geistes treiben lassen. Diesmal ist es der grüne Geist, mit dem wir die Welt beglücken wollen. Deutschland produziert bei weitem den meisten Solarstrom, den meisten Windstrom und den meisten Biodiesel. Dreimal sind wir Weltmeister. Und um ein Haar wäre unser Land beim Atomstrom der Geisterfahrer auf der Autobahn geblieben, der es lange Zeit war.

Das grüne Programm ist für viele zum Religionsersatz geworden. Mit den Worten "Wir bekennen uns zur Solarenergie" zollt selbst der Koalitionsvertrag dem Sonnengott Tribut. Der Politik geht es bei den Solardächern und Windflügeln schon lange nicht mehr um den Treibhauseffekt, sondern um die Schaffung von Sakralbauten für das neue Glaubensbekenntnis. Aber bevor wir unsere Industrie vom Wind der Emotionen in die Wüste treiben lassen, sollten wir innehalten und überlegen, was wir überhaupt tun. Vernunft und Pragmatik müssen an die Stelle des blinden Aktionismus der vergangenen Jahre treten. Deutschland braucht dringend eine Kurskorrektur seiner Umweltpolitik.

Das ist nicht zuletzt wegen der Umwelt selbst erforderlich. Wir leben schon in einer Warmzeit, die bald an die Temperaturen der Eem-Warmzeit vor Jahren heranreicht. In den dreißiger Jahren, spätestens den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts wird die Erdtemperatur höher sein als jemals zuvor während der vergangenen Jahre. Die Analyse der Sauerstoffisotope bei den Eiskernbohrungen am Südpol liefert dazu präzise Aussagen. Der Kohlendioxidgehalt der Luft ist schon heute um ein Drittel höher als jemals zuvor während dieser Zeitspanne. Das Grönland-Eis wird noch in diesem Jahrhundert schmelzen, und der Meeresspiegel wird auch wegen der temperaturbedingten Ausdehnung des Meerwassers um etwa sieben Meter steigen. Ein Fünftel von Bangladesch ist verloren; die Holländer werden nicht mehr wissen, wie sie den Rhein noch in die Nordsee leiten können.

Weil es fünf vor zwölf ist, können wir uns Ineffizienzen in der Umweltpolitik nicht mehr leisten. Vieles von dem, was wir tun und wofür wir Milliarden und Abermilliarden ausgeben, wirkt überhaupt nicht, manches ist ethisch kaum vertretbar, und manches ist unnötig teuer. Die Ziele der Umweltpolitik sind richtig, doch es ist eine Farce, mit welchen Instrumenten das Land zum Erfolg kommen will.

Der Autor des Artikels fasst seine Sicht der Dinge in Thesenform zusammen.

Die Eem-Warmzeit (Synonym Eem-Interglazial), oft kurz als Eem oder im Alpenraum auch als Riß/Würm-Interglazial benannt, war die letzte Warmzeit vor der heutigen, dem Holozän. Sie begann vor etwa 126.000 Jahren und endete vor 115.000 Jahren und ist nach dem Fluss Eem in den Niederlanden benannt.

10a. These 1: Der Wirrwarr an Auflagen, Abgaben und Fördersätzen muss durch ein umfassendes Emissionshandelssystem ersetzt werden

Es gibt Tausende Fördermaßnahmen und technische Anordnungen von Bund, Ländern und Gemeinden, außerdem sehr unterschiedliche Einspeisetarife und Ökosteuersätze. Ein Grundprinzip der grünen Politik ist, dass sie sich bestimmte Techniken in den Kopf setzt und dann so viel Geld dorthin schüttet, bis diese sich durchsetzen. Das ist Zentralplanungspolitik in der Marktwirtschaft. Ineffizienz ist programmiert, weil billige mit teuren Wegen gemischt werden. Es gibt Wege wie die Hausisolierung, moderne Gaskraftwerke und die Solarheizung, bei denen die Vermeidung einer Tonne CO2 nichts oder nur ein paar Dutzend Euro kostet. Und es gibt andere Wege wie die Geothermie, die Verbesserung der Automotoren oder die Photovoltaik, wo die Kosten bei Hunderten Euro liegen. Sinnvoll wäre es, bei den technisch möglichen Wegen zur Vermeidung von CO2 zunächst die billigeren auszureizen, bevor man zu den teuren übergeht. Dann ließe sich ein gegebenes Umweltziel mit geringeren Kosten erzielen; bei gegebenen Kosten, die die Gesellschaft zu tolerieren bereit ist, könnte mehr Umweltschutz verwirklicht werden.

Ein alle Wirtschaftssektoren umfassender Emissionshandel mit einem einheitlichen Preis für die emittierte Tonne CO2 würde diese Ziele erreichen, denn die Emittenten würden sich bei der Wahl zwischen der Vermeidung von CO2 und der Zahlung des Preises für die jeweils billigere Alternative entscheiden. Dadurch würde automatisch sichergestellt, dass nur die effizienten Vermeidungswege gewählt werden und die ineffizienten außen vor bleiben. Die EU verfügt seit 2005 über ein Emissionshandelssystem, das 99 Prozent der Stromerzeugung und 45 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes der EU erfasst. Wenn dieses System auf alle Sektoren der Wirtschaft ausgedehnt würde, könnten alle anderen Anreizsysteme entfallen. (1915)

10b.These 2: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist wirkungslos oder schädlich

Das EEG mit seinen Einspeisetarifen für grünen Strom kann schon heute entfallen, denn es wird durch das Emissionshandelssystem vollständig paralysiert. Der grüne Strom wird durch die Einspeisetarife zwar stark gefördert. Solarstrom kann in Deutschland um 700 Prozent und Windstrom um 80 Prozent über dem Großhandelspreis in das Netz eingespeist werden. Und in der Tat wird auf diese Weise fossiler Strom in Deutschland verdrängt. Das hilft aber der Umwelt nicht, weil die bei den Kraftwerken freiwerdenden Emissionszertifikate über die Börse an andere EU-Länder verkauft werden und dort zu entsprechenden Mehremissionen führen. Unsere Fördermaßnahmen verteuern den Strom in Deutschland, senken den Preis der Emissionszertifikate und fördern so in den anderen EU-Ländern den fossilen Strom zu Lasten des grünen Stroms. Die Windflügel und Solardächer, die in Deutschland wegen des EEG zusätzlich aufgestellt werden, verhindern entsprechend viele Windflügel und Solardächer in anderen europäischen Ländern. Wie hoch auch immer die Förderung ist: Gegeben die von der EU festgelegte Menge an Emissionszertifikaten, wird nicht eine einzige Tonne weniger Kohlendioxid in die Luft geblasen, als es ohne das EEG der Fall wäre.

Manchmal wird gesagt, das EEG sei aber insofern nützlich, als dadurch die Bereitschaft in Europa wachse, in der nächsten Handelsperiode eine kleinere Menge Emissionszertifikate zu akzeptieren, so dass zumindest ein indirekter politischer Effekt zustande komme. Aber das stimmt nicht. Die deutschen Fördermaßnahmen erhöhen die gesamteuropäischen Kosten der Emissionsvermeidung je Tonne CO2, weil sie eine suboptimale Aufteilung der Einsparanstrengungen auf die Länder induzieren. Der deutsche Solarstrom ist viel teurer als der spanische und verdrängt ihn wegen der deutschen Einspeisetarife und der Mechanismen des Emissionshandels dennoch vom Markt. Weil das EEG die Kosten der Vermeidungsmaßnahmen erhöht, verstärkt es die politischen Widerstände gegenüber ehrgeizigen Reduktionszielen. Das EEG hat sich mit der Einführung des Emissionshandels überlebt und gehört abgeschafft zu werden.

Das heißt nicht, dass grüne Technologien gar nicht mehr gefördert werden sollten. Erstens hilft es ihnen ja schon, dass die fossilen Energien Emissionszertifikate brauchen, und zweitens können sie über andere Systeme gefördert werden, wie sie im Hinblick auf die Innovationskraft und die Erschließung von Marktpotentialen bereits für viele andere Zukunftstechnologien zur Verfügung stehen. (2552)

Vokabeln

Anordnung f, -, - en - распоряжение, предписание, постановление

Einspeisetarif m, - s, - e (Einspeisetarife für grünen Strom) -тариф за подачу електроэнергии в сеть

Steuersаtz m, - es, - sätze - ставка надлога

sich durchsetzen – настоять(на своем), пробить что-л.

Kosten Pl - зат раты

Emissionshandel m, -s, - торговля квотами на выброс углеводородов

Stromerzeugung f, -, . производство эл. тока

CO2-Ausstoß m, -sses, -stöße – выброс (в атмосферу)

аusdehnen vt - расширять

Anreiz m, - es, - e - импульс

Großhandel m, - s, - оптовая торговля

fossil - ископаемый

Kraftwerk n, -es, -e - электростанция

zu j-s Lasten kommen - обременять кого-л. б идти за счет кого-л.

aufstellen vt - инсталлировать, монтировать

zustande kommen - состояться

Folgende Wortverbindungen empfehlen wir Ihnen für Ihr individuelles Wörterheft:

unterschiedliche Einspeisetarife und Ökosteuersätze

grüne Politik

ein gegebenes Umweltziel mit geringeren Kosten erzielen

einheitlicher Preis für die emittierte Tonne CO2

in das Netz einspeisen

wie hoch auch immer

vom Markt verdrängen

das EEG gehört abgeschafft zu werden

Text 11.

11a.These 3: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hilft noch nicht einmal der deutschen Kyoto-Bilanz

Deutschland hat sich im Rahmen des Abkommens von Kyoto völkerrechtlich verbindlich verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß im Mittel der Jahre 2008 bis 2012 gegenüber 1990 um 21 Prozent zu verringern. Kann nicht hierin eine Begründung für das EEG liegen? Wenn das Gesetz der Umwelt nicht hilft, dann doch wenigstens der Kyoto-Bilanz, die wir vorlegen müssen, könnte man vermuten. Leider ist auch das nicht der Fall. Für die Kyoto-Bilanz kommt es nicht auf die tatsächlichen Emissionen an, sondern auf die Deutschland zugewiesenen Emissionsrechte. Die Zertifikate, die wir an andere Länder verkaufen und die dort zu einem entsprechenden Mehrausstoß führen, werden allein Deutschland angelastet.

These 4: Nahrungsmittel gehören auf den Teller statt in den Tank

Salatöl kann man in den Tank schütten, nicht aber Erdöl in den Salat. Die Einseitigkeit der Substitutionsmöglichkeiten zwischen Nahrungsmitteln und fossilen Brennstoffen hat die Märkte für Nahrungsmittel und Brennstoffe getrennt gehalten, solange die Brennstoffpreise unter den Nahrungsmittelpreisen lagen. Im Aufschwung der Jahre 2006 bis 2008 hatte der Ölpreis jedoch erstmals ein Niveau erreicht, das die Verkoppelung der Märkte ermöglichte. Es wurde finanziell attraktiv, Nahrungsmittel vom Teller in den Tank zu schieben, um das teure Öl zu ersetzen. Die Tortilla-Krise von Mexiko-Stadt im Januar 2007, der 2008 Hungerproteste in 37 Ländern folgten, wird als Symbol einer Zeitenwende in die Geschichtsbücher eingehen. Die Hungerproteste wurden ausgelöst durch eine Verdoppelung der Preise für Mais, den Mexiko für seine Fladenbrote (Tortillas) aus den Vereinigten Staaten bezog. Der Anstieg des Maispreises veranlasste die amerikanischen Bauern, Mais statt Weizen anzubauen, und ließ den Weizenpreis regelrecht explodieren. Und schließlich schoss sogar der Reispreis in die Höhe, weil die Verbraucher von Mais und Weizen auf Reis umgestiegen waren. Nach verschiedenen Schätzungen kamen zwischen 40 Prozent (IFPRI) und 75 Prozent (Weltbank) des Anstiegs der Nahrungsmittelpreise zustande, weil die amerikanischen Bauern 30 Prozent ihrer Maisernte an die Produzenten von Bioethanol verkauften, das als Ersatz für das teure Benzin an den Tankstellen landete. Ölpreise und Nahrungsmittelpreise sind in der Rezession zwar wieder gefallen, doch hat die Verkoppelung nun stattgefunden und wird weiter für Unfrieden sorgen, wenn die Konjunktur wieder anzieht.

Die amerikanische Politik hat die Verkoppelung von Öl - und Nahrungsmittelmarkt zwar nicht verursacht, aber sie hat sie durch staatliche Zuschüsse für den Aufbau einer Infrastruktur zur Ethanol-Verarbeitung erleichtert. Wir sollten uns hüten, diesem Weg zu folgen, denn dann tragen auch wir zur Verstärkung des Hungers in der Welt bei. Wir sind aber schon dabei, uns schuldig zu machen, denn Deutschland ist dank gigantischer Förderprogramme mit Abstand der größte Produzent von Biodiesel. Die gelben Rapsfelder, die unser Land im Frühjahr zum Leuchten bringen, werden einmal als Warntafeln der Geschichte verstanden werden. (3112)

11b. These 5: Der Atomstrom ist eine Energieoption, die man nicht fallenlassen sollte

In Frankreich ist der Atomstrom ein patrimoine national, ein nationaler Erbschatz. Bei uns ist er des Teufels. Mindestens ein Land muss sich irren. Der Irrtum wird aber nicht aufgedeckt, weil es in jedem Land genug Industrien gibt, die von der einmal gewählten Technologie leben und auf vielerlei Wegen öffentliche Zustimmung für die Fortsetzung des eingeschlagenen Pfades erzeugen. Wie Frankreich verhalten sich viele Länder: Weltweit sind zurzeit 439 Atomkraftwerke in Betrieb, 36 sind im Bau, 93 sind in der Planung, und für 231 gibt es Vorplanungen, während 23 Kraftwerke abgeschaltet werden sollen. Allein in Italien, Finnland, Großbritannien, der Schweiz und Tschechien sollen 14 neue Kraftwerke gebaut werden. Frankreich produziert etwa drei Viertel, Deutschland nur ein knappes Viertel des Stroms aus Atomkraft. Deutschland verlässt sich stattdessen zu etwa 60 Prozent auf fossile Brennstoffe, die in Frankreich praktisch keine Rolle spielen, und zu 15 Prozent auf regenerative Energiequellen. Ob wir die Atomkraft verbieten oder fördern, spielt wegen des Emissionshandels zwar auch keine Rolle für das Klima. Es hat aber Implikationen für die Kosten der Stromerzeugung in den einzelnen Ländern. In der Grundlast ist Atomstrom schon heute konkurrenzlos billig, weil die öffentlichen Förderkosten versunken sind. In den kommenden Jahren wird sich der Kostenvorteil weiter vergrößern, weil der französische Präsident Nicolas Sarkozy kaltlächelnd mit den grün gesinnten Politikern Europas paktieren wird, um die ausgegebene Menge an Emissionszertifikaten zu verringern und die Preise dieser Zertifikate hochzutreiben. Er weiß nur zu gut, dass Deutschland mit seinen Windflügeln niemals auch nur in die Nähe der Wettbewerbsfähigkeit mit dem französischen Atomstrom kommen wird.

Der einzige Ausweg für die von der Kohle abhängigen deutschen Energiekonzerne liegt in der Sequestrierung von CO2, was aber riesige Kosten und ungelöste Sicherheitsprobleme mit sich bringt. Für jeden Kubikmeter Kohle, den man verbrennt, müssen 5,4 Kubikmeter flüssiges CO2 untergebracht werden. Doch wo? Der Platz dafür ist rar. Keiner will über einem Speicher leben, weil austretendes CO2 das Leben in der Nähe des Lecks ersticken würde. Das Endlagerproblem für flüssiges CO2 ist unvergleichlich größer als das Endlagerproblem für alte Atombrennstäbe. Um die hochradioaktiven Abfälle von Biblis A abzutransportieren, braucht man zwei Kastorbehälter pro Jahr, für die schwach radioaktiven Abfälle, die nach fünfzig Jahren ungefährlich werden, nicht einmal einen halben Güterzug. Für das Kohlendioxid eines Kohlekraftwerks mit gleicher Leistung brauchte man hingegen 6000 Güterzüge von je 600 Meter Länge, und dann müsste man das Kohlendioxid ewig speichern und bewachen, weil es sich anders als die radioaktiven Stoffe nicht von selbst zersetzt.

Die heutigen Atomkraftwerke sind Druckwasserreaktoren mit höchster Sicherheit, die Wasser für die Kernreaktion brauchen und daher bei einem Leck zum Stillstand kommen. Mit dem Graphitreaktor aus Tschernobyl haben sie wenig gemein. Deutschland verfügt mit Gorleben zudem über einen Salzstock, der hundert Millionen Jahre lang stabil war und eine der besten auf Erden verfügbaren Lagerstätten darstellt. Das alles spricht dafür, den Bau neuer Atomkraftwerke nicht länger zu verbieten und es dem Markt zu überlassen, die beste Reaktion auf die hohen Preise der Emissionszertifikate zu finden.

Zudem sollte der Staat die Erforschung der Kernfusion vorantreiben. Mit dem Stellarator in Greifswald verfolgt die Max-Planck-Gesellschaft das weltweit wahrscheinlich erfolgversprechendste Fusionskonzept überhaupt, doch stehen dafür gerade mal 200 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung, ein Dreißigstel der jährlichen Subventionen, die in den Einspeisetarifen stecken. Die Prioritäten müssen überdacht werden. (3895) FAZ 18.


Tortilla-Krise in Mexiko - Mais für den Autotank
Zehntausende demonstrieren im Februar/ März 2007 in Mexiko-Stadt, weil in nur einem Jahr der Preis für Mais (aus dem Tortillas hergestellt werden) um zwei Drittel in die Höhe ging. Sie verlangen staatliche Kontrollen bei Grundnahrungsmitteln und eine Abkehr vom Freihandelsabkommen NAFTA, das den zollfreien Handel zwischen Kanada, den USA und Mexiko erlaubt. Die starke Getreide-Nachfrage aus Nordamerika für die Produktion von Bioethanol schlägt voll auf die Tortilla-Preise durch. Die Regierung Calderón beendet schließlich die Krise, indem sie einen Höchstpreis für Maismehl dekretiert.

Ernten für den Biosprit - Zuckerrohr, Soja, Palmöl

Von September 2007 bis April 2008 stiegen - nach Angaben der UN-Ernährungsorganisation FAO - die Preise für Mais, Weizen und Reis um durchschnittlich 40 bis 50 Prozent. Neben einer höheren Nachfrage aus Indien und China macht die FAO dafür eine expandierende Produktion von Biokraftstoffen verantwortlich. Für 100 Liter Biosprit werde soviel Getreide verbraucht, wie ein Mensch ein Jahr lang zum Essen benötige.
Vorzugsweise Industriestaaten setzen auf diese Energiequelle. Die dafür erforderlichen Rohstoffe kommen zumeist aus Entwicklungsländern - Zuckerrohr und Soja aus Brasilien, Yukka aus Kolumbien, Palmöl aus Indonesien und Thailand. Allein die Anbauflächen für Palmöl haben sich laut FAO seit 1990 auf weltweit 130.000 Quadratkilometer verdoppelt - das entspricht in etwa dem Territorium Österreichs und der Schweiz. Deutschland ist mit 800.000 Tonnen jährlich fünftgrößter Palmöl-Importeur.

Vokabeln

patrimoine national (franz.) - национальное достояние

Substitutionsmöglichkeiten Pl – возможности замены, замещения

Verkoppelung f, -, - связь, соединение, стыковка

аuslösen vt - вызвать что-л.

beziehen auf Akk - касаться, относиться к чему-л.

veranlassen (j-n etw zu tun) - побуждать; послужить поводом, причиной

anbauen vt - возделывать (сельхоз. культуру)

umsteigen vi - перейти (от одного вида деятельности к другому)

Zuschüsse Pl - ссуда, субсидия, дотация

abschalten vt - отключать

Sequestrierung f, -, - - секвестирование; секвесторизация; передача имущества; конфискация

Speicher m, -s, - - склад

Leck n, -s, -e - течь, пробоина

Endlager m, -s, - - могильник, место захоронения вредных отходов

Abfälle Pl - отходы

Kastorbehälter m, -s, - - емкости (цистерны) для транспортировки

ядовитых отходов производства

(sich)zersetzen vi – разлагать, разлагаться

Druckwasserreaktor m, -s, - - ядерный реактор, охлаждаемый водой под давлением

Salzstock m, -s, -stöcke - соляной купол, соляной шток

Stellarator m, -s, - - стелларатор (установка для термоядерного синтеза)

überdenken vt - продумать, осмыслить, обдумать (ещё раз)

Implikationen Pl - импликация, переплетение, неразрывная связь, включение

vorantreiben vt – продвигать, развивать

Folgende Wortverbindungen empfehlen wir Ihnen für Ihr individuelles Wörterheft:

j-d völkerrechtlich verbindlich verpflichten

die Deutschland zugewiesenen Emissionsrechte

die Konjunktur zieht wieder an

mit Abstand

konkurrenzlos billig sein

den Kostenvorteil weiter vergrößern

etw. dem Markt überlassen

die Erforschung der Kernfusion vorantreiben

die Prioritäten müssen überdacht werden

12a. These 6: Alleingänge im Klimaschutz sind nutzlos, weil der extrahierte Kohlenstoff dann anderswo verbrannt wird

Alles, was die EU und ihre Mitgliedsländer im Hinblick auf das Klimaproblem tun, läuft auf eine Einschränkung der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen hinaus. Ob sie kleinere Autos erzwingen, mehr Wärmedämmung vorschreiben, ob sie den Sonnen-, Wind - und Atomstrom fördern, ob sie alternative Technologien voranbringen oder die Verwendung fossiler Energien bestrafen: Immer geht es um eine bloße Nachfrageeinschränkung auf den Weltmärkten für fossile Brennstoffe. Aber was ist eigentlich mit dem Angebot? Einschränkungen der Nachfrage nach Kohlenstoffen seitens einer Teilgruppe von Ländern sind so lange wirkungslos, wie die Kohlebarone, Ölscheichs und Gasoligarchen darauf nicht mit ihren Angebotsmengen reagieren. Ähnlich wie der Emissionshandel die Wirkung nationaler Alleingänge beim Klimaschutz aufhebt, sorgt der Weltmarkt für Kohle, Erdgas und Erdöl für eine Paralysierung der EU-Maßnahmen zum Klimaschutz, wenn das Angebot nicht verringert wird. Einschränkungen der Nachfrage führen nur zur Bremsung des Preisanstiegs bei den fossilen Brennstoffen und beschleunigen das schmutzige Wachstum der Chinesen und Amerikaner. Je mehr Schlote die Europäer außer Betrieb nehmen, desto niedriger ist der Preis der fossilen Brennstoffe, und desto mehr Schlote werden im Rest der Welt neu errichtet.

These 7: Nur ein Super-Kyoto und weltweite Quellensteuern auf Finanzerträge helfen

Was muss geschehen, um die Erderwärmung aufzuhalten? Zwei Möglichkeiten bieten sich an. Die eine besteht darin, den Ressourceneigentümern die Umwandlung ihres Vermögens in Schweizer Bankkonten zu vergällen. Das kann zum Beispiel geschehen, indem die Länder der westlichen Welt ihr System der Besteuerung von Kapitalerträgen konsequent auf eine Besteuerung dieser Erträge an der Quelle umstellen. Da diese Länder heute ein Mischsystem von Wohnsitz - und Quellensteuern haben, dürfte dies nicht allzu schwer fallen. Ob diese Maßnahme reichen würde, ist aber zu bezweifeln. Sicherer ist es, jetzt in Kopenhagen alle Länder zu einem weltweiten Emissionshandelssystem zusammenzuschließen, wie es in Kyoto schon für eine Teilgruppe von Ländern vereinbart und seit 2008 unter der Aufsicht der Vereinten Nationen realisiert ist. Wenn wirklich alle Länder mitmachen, kann sich niemand mehr auf das Trittbrett stellen und umsonst mitfahren. Dann sind die Emissionsmengen und mit ihnen die erlaubten Kohlenstoffkäufe wirksam gedeckelt. Die Ressourceneigentümer müssen sich fügen. Der angenehme Nebeneffekt einer solchen Lösung wäre, dass ein Teil der Einnahmen der Ressourceneigentümer an die Finanzminister der westlichen Welt umgeleitet würde, denn sie verkaufen mit den Emissionsrechten faktisch Bezugsscheine für fossile Brennstoffe. Die Ressourcenländer hätten geringere Einnahmen, die Verbraucherländer niedrigere Energiekosten, und die Erderwärmung schritte langsamer voran.

12b.These 8: Die grüne Politik hat die Erderwärmung beschleunigtNur dann, wenn die von der grünen Politik induzierte Bremsung des Preisanstiegs bei den fossilen Brennstoffen die Ressourcenanbieter veranlasst, einen Teil der geplanten Extraktion zu unterlassen oder in die Zukunft zu verlagern, verlangsamt sich die Erderwärmung. Aber warum sollte das der Fall sein?

Manche argumentieren, dass die grüne Energie die Energiepreise unter die Extraktionskosten für die fossilen Brennstoffe drücken wird, so dass sich der Abbau dann nicht mehr lohnt. Das ist eine gefährliche Illusion, denn die Abbaukosten liegen heute bei winzigen Bruchteilen der Preise, und daran wird sich wohl auch nie etwas ändern. Die Preise der fossilen Brennstoffe haben mit den Extraktionskosten so viel zu tun wie der Preis eines Rembrandt mit dem Preis der Farbe des Meisters. Dieses Argument ist abwegig.

Mögliche Angebotsänderungen kommen ganz anders zustande. Die Eigentümer der erschöpfbaren Ressourcenvorräte überlegen stets, ob sie eine höhere Rendite auf ihr Vermögen erzielen, wenn sie die Vorräte zunächst im Boden belassen, um sie später, bei größerer Knappheit, teurer verkaufen zu können, oder ob sie besser fahren, wenn sie die Vorräte gleich verkaufen und die Erlöse verzinslich am Kapitalmarkt anlegen. Das Abbauverhalten wird also von den Zinsen und von den Erwartungen über die Preisentwicklung gesteuert. Wenn die Ressourceneigentümer erwarten, dass die grüne Politik im Laufe der Zeit immer grüner wird, wie es bislang der Fall war, dann wird die Rendite der im Boden belassenen Ressourcen verringert, und es entsteht ein Anreiz, diese Ressourcen möglichst schnell zu versilbern. Es kommt heute mehr CO2 in die Atmosphäre, die Erderwärmung beschleunigt sich.

Das ist das grüne Paradoxon. Eine allmählich grüner werdende Politik bedroht die Ressourceneigentümer mit der Vernichtung ihrer Märkte und veranlasst sie, dieser Vernichtung zuvorzukommen. Wie eine angekündigte Enteignung schafft sie einen Anreiz zur Überextraktion. Die klimaschädliche Wirkung der unsicheren politischen Verhältnisse in den Förderländern wird nur noch verstärkt. Dass die Preise der fossilen Brennstoffe in realer Rechnung heute nicht höher als 1980 sind und der CO2-Ausstoß progressiv zunahm, obwohl viele EU-Länder ihre Emissionsmengen verringert haben, lag vermutlich auch an der Umweltdiskussion der letzten Jahrzehnte, die zu Angstverkäufen der Ressourceneigentümer geführt hat.

Die anderen Länder haben in dieser Zeit nicht nur die Mengen an fossilen Brennstoffen verbraucht, die in Europa eingespart wurden, sondern zusätzlich auch noch das Mehrangebot der Ressourceneigentümer, das durch die Furcht vor der grünen Politik induziert wurde. (2700)

Vokabeln

hinauslaufen auf Akk – сводиться к чему-л.

etw. vorschreiben vt - предписывать

voranbringen vt – продвигать что-л.

Schlot m, -s, -e - фабричная дымовая труба

Besteuerung f, -, -en -- налогообложание

Kapitalerträge Pl - доходы с капитала, от инвестиций

konsequent - последовательно

Wohnsitz- und Quellensteuer f, -, -n - налог на источник дохода

Eine Quellensteuer wird im Gegensatz zu anderen Steuern nicht beim Steuerpflichtigen erhoben, sondern direkt dort, wo das Einkommen entsteht. In Deutschland ist dieses Verfahren beispielsweise bei der Besteuerung von Dividenden auf Aktienbesitz üblich: Ein Aktionär erhält die Dividendenzahlung nicht in voller Höhe, sondern das Unternehmen zieht die zu zahlende Kapitalertragsteuer ein und leitet diese an das Finanzamt weiter. Steuerzahler ist dennoch nicht das Unternehmen, sondern der Aktionär

unter der Aufsicht - при контроле (со стороны кого-л.)

sich auf das Trittbrett stellen - вспрыгнуть на подножку (трамвая, чтобы проехаться бесплатно)

Einnahmen Pl - доходы, поступления

Bezugsschein m, -es, -e - купон (акции, облигации), ордер

unterlassen vt - отказываться от чего-л., прекращать что-л.

verlagern vt - перебазировать, сдвигать, перемещать

Extraktion f, -, -en - извлечение, экстрагирование; выбрасывание

Abbau m, -s, - - добыча, разработка

Vorräte Pl - запасы

Rendite f, -, -en - рендита, доход (на ценную бумагу); прибыль

Anreiz m, -ens, -e - стимул

Zuvorzukommen vi - опережать, упреждать, предупреждать

induzieren vt - производить, вызывать (реакцию)

zustande kommen - осуществляться

Folgende Wortverbindungen empfehlen wir Ihnen für Ihr individuelles Wörterheft:

im Hinblick auf

auf eine Einschränkung hinaus laufen

nationale Alleingänge

die Erderwärmung auuhalten

Geld verzinslich am Kapitalmarkt anlegen

sich auf das Trittbrett stellen

Text 13. Die Sünden-Weltmeister

13a. Klimaforscher sind sich einig: Wenn China und die Vereinigten Staaten nicht mitmachen, sind alle Versuche der Menschheit zum Scheitern verurteilt. Gemeinsam sind beide Länder für fast 42 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Im Jahr 2008 hat China die USA als größter Klimasünder überholt - und mit seinem Widerstand gegen verbindliche Emissionsziele den Klimagipfel in Kopenhagen zum Scheitern gebracht.

Auf den ersten Blick sind die CO2-Emissionen beider Länder sehr ähnlich: China pustete im Jahr 2008 6,8 Milliarden Tonnen des Treibhausgases in die Luft, die Vereinigten Staaten 6,4 Milliarden. Doch diese Zahlen verschleiern enorme Unterschiede zwischen beiden Ländern, zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie eines vierköpfigen chinesisch-amerikanischen Forscherteams.

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