Text 8. Die Dumme Frau (Bertolt Brecht)

Ein Mann hatte eine Frau, die war wie das Meer. Das Meer verändert sich unter jedem Windhauch, aber es wird nicht größer noch kleiner, auch ändert die Farbe sich nicht, noch der Geschmack auch wird es nicht härter davon noch weicher, wenn aber der Wind vorbei ist, dann liegt es wieder still, und es ist nicht anders geworden. Und der Mann musste über Land. Und da er fort ging, gab er der Frau alles, was er hatte, sein Haus und seine Werkstatt und den Garten um sein Haus und das Geld, das er sich verdient hatte. „Dies alles ist mein Eigen, und es gehört auch dir. Du musst darauf Acht haben“. Da hing sie an seinem Hals und weinte und sagte zu ihm: „Wie soll ich das? Denn ich bin ein dummes Weib“. Aber er sah sie an und sprach: „Wenn du mich lieb hast, dann kannst du es." Und dann nahm er von ihr Abschied.

Da nun die Frau allein zurückgeblieben war, bekam sie sehr Angst um alles, was in ihren schwachen Händen lag, und sie ängstigte sich sehr. Deshalb hing sie sich an ihren Bruder, welcher ein schlechter Mensch war, und er betrog sie. Darum wurde ihr Gut immer geringer, und als sie es merkte, war sie ganz verzweifelt und wollte nichts mehr essen, dass es nicht weniger wurde, und schlief nicht des Nachts, und davon wurde sie krank.

Da lag sie in ihrer Kammer und konnte nicht mehr umsehen im Hause, und es verfiel, und der Bruder verkaufte davon die Gärten und die Werkstatt und sagte es nicht zu der Frau. Die Frau lag in ihren Kissen, sagte nichts und dachte: Wenn ich nichts sage, ist es nichts Dummes, und wenn ich nicht esse, dann wird es nicht weniger.

НЕ нашли? Не то? Что вы ищете?

So geschah es, dass eines Tages das Haus versteigert werden musste. Dazu kamen viele Leute von überall her, denn es war ein schönes Haus. Und die Frau lag in ihrer Kammer und hörte die Leute und wie der Hammer fiel und wie die Leute lachten und sagten: „Es regnet durch das Dach, und die Mauer fällt ein." Und dann wurde sie schwach und schlief ein.

Als sie wieder aufwachte, lag sie in einer hölzernen Kammer in einem harten Bette. Auch gab es nur ein ganz kleines Fenster in großer Höhe, und es ging ein kalter Wind durch alles. Und eine alte Frau kam herein und fuhr sie bös an und sagte ihr, dass ihr Haus verkauft sei, aber die Schuld sei noch nicht gedeckt, und sie nähre sich von Mitleid, und das Mitleid sei für ihren Mann. Denn der habe nun gar nichts mehr. Da ward die Frau, als sie das hörte, im Kopf wirr und ein wenig irre, und sie stand auf und fing an zu arbeiten von dem Tag an, im Haus herum und auf den Feldern. Und sie lief in schlechten Kleidern und aß fast nichts und verdiente doch auch nichts, weil sie nichts verlangte. Und da hörte sie einmal, ihr Mann sei gekommen.

Da bekam sie aber eine große Angst. Und ging rasch hinein und zauste ihr Haar und suchte ein frisches Hemd, und es war keins da. Und sie strich über die Brust, dass sie's verberge, und da war sie ganz dürr. Und ging hinaus durch eine kleine Tür hinten und lief fort, irgendwohin.

Da sie nun eine Zeitlang gelaufen war, fiel es ihr ein, dass es ihr Mann sei, und sie waren zusammengetan, und nun lief sie ihm fort. Da kehrte sie gleich um und lief zurück, dachte nicht mehr an das Haus und die Werkstatt und das Hemde und sah ihn von weitem und lief auf ihn zu, und da hing sie an seinem Hals.

Der Mann aber stand mitten in der Straße, und die Leute lachten über ihn unter den Türen. Und er war sehr zornig. Er hatte aber die Frau am Halse, sie tat den Kopf nicht weg von seinem Hals und nicht die Arme von seinem Nacken. Und er fühlte, wie sie zitterte, und meinte, es sei ihre Angst, da sie alles vertan hatte. Aber sieh, da hob sie endlich ihr Gesicht und sah ihn an, und da sah er, dass es nicht ihre Angst, sondern ihre Freude war, und weil sie sich so freute, zitterte sie. Da kam ihm etwas in den Sinn, und er schwankte auch und legte den Arm um sie, fühlte gut, dass sie mager geworden war in den Schultern und küsste sie mitten auf ihren Mund.

Text 9. Das heutige Weibliche (Daniela Dahn)

Nach der Lieblingstugend bei Frauen befragt, bekannte Karl Marx: Schwäche. Beim Mann: Stärke.

Komischerweise habe ich noch von keinem Marx-Gegner gehört, der mit dieser Auffassung polemisiert, sie als völlig überholt abgetan hätte.

Vielleicht liegt es daran, dass solche Kritiker immer Männer sind. Denn sosehr sie nach Angriffspunkten suchen — wenn es um männliche Stärke geht, wird sogar Marx als Verbündeter geduldet.

Aber warum haben sich nicht wenigstens ein paar emanzipierte Frauen beschwert?

Wohl weil es Karl Marx ist. Oder weil noch niemand Kompetentes gesagt hat, was heute die Lieblingstugend sein soll. Dass Emanzipation nicht Mannwerdung, Gleichmacherei bedeutet, hat sich inzwischen herumgesprochen. Nur das Sondern ist noch nicht ganz klar. Worin soll, neben dem feinen, der eigentliche Unterschied bestehen? Was von dem ewig Weiblichen zieht heute noch und wird immer ziehen?

Allein durch das Mütterliche ist man derzeit noch lange keine gemachte Frau. Von den drei K „Kinder, Küche, Kirche" ist letzteres durch „Kulturobmann" ersetzt worden. Im Beruf werden gleiche Ansprüche gestellt, Maßstab sind männliche Leistungsnormen. Da gibt es keine getrennten Staffeln, auch wenn für die Frauen ein anderer Wind weht. Bis auf den Haushaltstag, großzügig von Männern erlassen, denn er manifestiert: ihr Gebiet.

Als Ehefrau hat man heutzutage schön, klug und begehrenswert zu sein, bei allem sanft und nie aggressiv. Zu kulturellen Höhepunkten erweist man sich als gesellschaftsfähig, belesen, geistreich und stets über das neueste informiert. Als Gastgeberin bewirtet: man mit hausfraulichem Können, zeigt pädagogisches Geschick beim Vorführen der Kinder und im Gespräch charmanten Unterhaltungswert. Im Urlaub stellt sich heraus, dass man unternehmungslustig, sportlich und obendrein in bester Kondition ist. Kuren sind eigentlich überflüssig, denn gesund möchte man zu alldem schon sein!

Kurz und schlecht, die Emanzipation hat das Gleichgewicht ziemlich einseitig verschoben, in Richtung höhere Leistung, also Belastung, Stärke.

Ja, was wollt ihr denn, um Himmels willen? höre ich die Männer rufen. Wollt ihr wieder raus aus dem Beruf, zurück an den Herd? Nein. (Auf keinen Fall, ausgeschlossen, wir wollen ja was leisten.) Soll man euch den ganzen Haushalt führen? Nein. (Gott bewahre, das würde was geben!)

Wäre es euch lieber, wenn wir euer Äußeres gar nicht beachten würden? Nein (Wozu dann Frau sein?). Sollen wir euch das Kinderkriegen auch noch abnehmen? Nein. (Unerfüllbare Angebote sind schnell gemacht. Habt ihr'ne Ahnung! Es geht ja auch nicht um die neun Monate, eine kleine Geburt ist das alle vier Wochen. Aber lasst mal, das schaffen wir schon.).

Also was wollt ihr?

Schwach sein dürfen. Mitunter. Und zwar, solange wir noch stark sind. Nicht erst, wenn es sowieso nicht mehr anders geht, nicht vor Erschöpfung, sondern aus Einsicht und aus Lust. Schwach sein dürfen heißt auch manchmal gereizt sein, solange wir noch Nerven haben, und gelegentlich hässlich, solange wir eigentlich noch schön sind. Und einfach schwach. Das müsste möglich sein, ohne dass dann gleich alles zusammenbricht. Und nicht mit großzügiger Geste bewilligt wird, sondern verstanden, mitgefühlt, vielleicht sogar gemacht. Von den Männern, unseren Starken!

Eins bleibt unklar! Ist diese Sehnsucht nach dem Schwachen im Starksein, nach Obhut, Geborgenheit, Trost und Schutz, ja manchmal nach bedingungsloser Unterwerfung bei uneingeschränkter Gleichberechtigung - ist dies alles nun das heutige Weibliche oder ist es einfach überhaupt menschlich? Haben Männer auch solche Regungen?

Viele Anzeichen sprechen dafür. Aber über Jahrhunderte verschüttet, wird männliche Schwäche wohl kaum noch vor sich selbst benannt. Dazu sind die meisten Männer zu eitel. Schon Marx... (war ein Mann).

Text 10. Die Einzahl und die Mehrzahl (Peter Handke)

Auf einer Bank im Park sitzt ein Türke mit dick verbundenem Finger: ich sitze auf einer Bank im Park neben einem Türken mit dick verbundenem Finger: wir sitzen auf einer Bank im Park, ich und ein Türke mit dick verbundenem Finger: Ein Türke mit dick verbundenem Finger sitz mit mir auf einer Bank im Park. Wir sitzen auf einer Bank im Park und schauen hinaus auf den Teich etwas schwimmen, und der Türke schaut hinaus auf den Teich:

Wir schauen hinaus auf den Teich, und ich sehe im Teich einen Gegenstand schwimmen, und der Türke schaut hinaus auf den Teich:

Wir schauen hinaus auf den Teich, und ich sehe im Teich von den schwimmenden Enten bewegt, ein Grasbüschel schwimmen und auf das Ufer zu schwimmen, und der Türke schaut hinaus auf den Teich:

Wir schauen hinaus auf den Teich, und ich sehe ein Grasbüschel, das von schwimmenden Enten bewegt, auf das Ufer zu schwimmt, von entgegen schwimmenden Enten bewegt, vom Ufer wegschwimmen, und der Türke schaut hinaus auf den Teich:

Wir schauen hinaus auf den Teich, und ich sehe ein Grasbüschel, das von schwimmenden Enten bewegt, daran war, ans Ufer geschwemmt zu werden, und dann, von entgegen schwimmenden Enten bewegt, daran war, zurück in die Mitte des Teiches geschwemmt zu werden, jetzt, von anderen, kreuzenden Enten bewegt, sich nur noch auf der Stelle bewegen, und der Türke schaut hinaus auf den Teich:

Wir schauen hinaus auf den Teich, und ich sehe einen Gegenstand, den ich für ein Grasbüschel gehalten habe, oder etwas, das ich für einen Gegenstand gehalten habe, von dem ich glaubte, dass er ein Grasbüschel sei, nachdem er sich auf der Stelle bewegt hat, plötzlich untergehen, und auch ich höre auf, den Kopf mit dem Gegenstand mit auf der Stelle zu bewegen: das heißt, ich schrecke auf: oder: ich schrecke auf, das heißt, ich höre auf, den Kopf mit dem Gegenstand mit auf der Stelle zu bewegen, und bewege mich nicht mehr, und der Türke schaut hinaus auf den Teich:

Wir schauen hinaus auf den Teich, und ich sehe eine Ente auftauchen, die ein Grasbüschel im Schnabel hat, und ich bin müde vom Schauen und zufrieden, und der Türke schaut hinaus auf den Teich:

Wir schauen hinaus auf den Teich, und ich erinnere mich, ohne etwas zu sehen, an den Sportreporter, der vom Tod redete, und der Türke schaut hinaus auf den Teich. Ein Türke und ich, wir sitzen im Park auf einer Bank und schauen hinaus auf den Teich: ich sitze im Park auf einer Bank bei einem Türken mit dick verbundenem Finger: ich sitze auf einer Bank im Park neben einem Türken mit dick verbundenem Finger: im Park sitzt plötzlich neben mir auf der Bank ein Türke mit einem dick verbundenen Finger, den er von den anderen wegstreckt: im Park auf einer Bank sitzt ein Türke mit neun heilen Fingern, die er an sich drückt: auf einer Bank im Park sitzt ein Türke mit dick verbundenem Finger und schaut hinaus auf den Teich.

Text 11. Wenn ich eine Frau wäre

Die Wochenzeitschrift „Freund des Mannes" organisierte ein Preisausschreiben. Thema: „Wenn ich eine Frau wäre..." Der erste Preis war ein elektrischer Rasierapparat. Solcher Rasierapparat war schon lange ein großer Wunsch von mir, und ich beschloss, den Preis zu gewinnen.

Als ich abends nach Hause kam, legte ich mich sofort auf die Couch und schloss die Augen. «Bist du krank?», fragte meine Frau.

«Stör mich nicht!", antwortete ich in einem Ton, dass sie kein Wort mehr sagte.

So lag ich bis in die späte Nacht, aber etwas Positives zu dem Thema wollte mir in den Kopf nicht kommen. Schließlich weckte ich meine Frau und erzählte ihr alles. Die Frau gab mir einen Rat; „Wir müssen die Rollen tauschen." Morgens stand ich als erster auf, bereitete das Frühstück zu, weckte die Kinder und zog sie an. Es ging ganz gut. Aber als alles fertig war, sah ich auf die Uhr: Ich musste eigentlich schon seit einer Stunde in meinem Betrieb sein. Ich weckte meine Frau und lief auf die Straße. Unrasiert und ohne Frühstück.

Nach der Arbeit nahm ich die Einkaufstasche und ging ins Geschäft. Aber dort standen viele Menschen an. Ich verließ das Geschäft und ging nach Hause. Die ersten Sätze zu meinem Artikel hatte ich nun. „Wenn ich eine Frau wäre", schrieb ich, „dann würde ich nur einmal im Monat einkaufen."

Leider störten mich die Kinder beim Weiterschreiben. Sie hatten Hunger. Ich gab ihnen ein Stück Brot. Dabei hatte ich selbst Hunger. So schickte ich meinen Ältesten zum Fleischer. Er kehrte nach einer Stunde zurück und brachte ein sehr kleines Stück Fleisch. Ich ging fort hin und protestierte laut. Der Fleischer klärte alles schnell. Das Geld, das ich meinem Jungen mitgab, hatte gerade zu diesem Stück gereicht.

Zum Glück hatte ich das Portemonnaie meiner Frau bei mir. In ihm war das Wirtschaftsgeld für den ganzen Monat. Ich kaufte, was wir brauchten. Um meiner Familie Freude zu bereiten, wollte ich noch etwas Kuchen besorgen. Dazu hat das Geld dann nicht mehr gereicht.

Als ich wieder zu Hause war, begann ich abzuwaschen und zu kochen.

Meine Frau kam später von einer Versammlung. Wir stritten uns lange. Weil doch eine Versammlung nicht bis um 12 Uhr nachts dauern kann!

Ich weckte die Kinder, die inzwischen unter dem Tisch beim Spielen eingeschlafen waren, und setzte ihnen das Mittagessen vor. Ich selbst hatte keinen Appetit, ich war zu müde. Meine Familie hatte einen guten Appetit. Sie aß alles auf, was für drei Tage zubereitet war. Ich erinnerte mich an das leere Portemonnaie, und es wurde mir schwer ums Herz.

Nach dem Essen begannen die Kinder zu spielen. Wahrscheinlich glaubten sie, dass es erst Nachmittag war.

Meine Frau aber lag inzwischen in der Badewanne und sang irgendeine Melodie.

Da nahm ich meinen Federhalter zur Hand, warf das Papier mit den bisher geschriebenen Sätzen in den Ofen und schrieb:

Wenn ich eine Frau wäre, dann hätte ich nur einen Wunsch: ein Mann zu sein!"

Seit einigen Tagen rasiere ich mich mit dem elektrischen Rasierapparat.

Text 12. Rinderwahn (Max Raabe)

Rinderwahn,

Wer weiß denn wo die Rinder war'n

Bevor sie unsern Mündern nah'n

Als Kotelett.

Sie sollten mal die Inder seh'n

Die lassen ihre Rinder steh'n

Als Heiligkeit flanieren gehn

Das ist nett.

Der Mensch isst gerne Tiere auf,

da kam die Kuh als erste drauf.

Drum nennt sie ihren Racheplan

Rinderwahn.

Bedenke, wenn das Rind sich rächt,

geht es dir empfindlich schlecht.

Erst liegt die Kuh im Fieber,

dann du, mein Lieber.

Der Mensch isst gerne Tiere auf,

da kam die Kuh als erste drauf.

Drum nennt sie ihren Racheplan

Rinderwahn.

Die Hühner fühl'n sich seltsam fad

Die Schweine sind schon längst malat

So greift die ganze Seuche um

auf's Publikum.

Text 13. Kein Schwein ruft mich an (Max Raabe)

Kein Schwein ruft mich an,

keine Sau interessiert sich für mich,

so lange ich hier wohn,

ist es fast wie Hohn, schweigt das Telefon.

Kein Schwein ruft mich an,

keine Sau interessiert sich für mich,

und ich frage mich,

denkt gelegentlich jemand mal an mich.

Den Zustand find ich höchst fatal,

für heut'ge Zeiten nicht normal,

wo jeder nur darüber klagt,

das Telefon an Nerven nagt.

Ich trau mich kaum mehr aus der Tür,

denn stets hab ich vermutet,

das kaum, das ich das Haus verlass,

es klingelt oder tutet.

Doch:

kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich,

so lange ich hier wohn, ist es fast wie Hohn, schweigt das Telefon.

Kein Schwein ruft mich an,

keine Sau interessiert sich für mich,

und ich frage mich,

denkt gelegentlich jemand mal an mich.

Vielleicht, das manche mich im Land der Dänen wähnen,

oder fern von hier, wo die Hyänen gähnen.

Denn:

kein Schwein ruft mich an,

keine Sau interessiert sich für mich,

doch liegt es nicht an mir,

ich zahle monatlich

die Telefongebühr.

Das war für mich kein Zustand mehr,

es musste eine Lösung her,

das war für mich sofort

der Anruf - beantworter.

Und als ich dann nach Hause kam,

war ich vor Glück und Freude lahm,

es blinkte froh der Appаrat,

dass jemand angerufen hat.

Die süße Stimme einer Frau verrät mir und erzählt:

Verzeihen Sie, mein werter Herr,

ich habe mich verwählt.

Text Luftballon (Nena)

Hast du etwas Zeit für mich?

Dann singe ich ein Lied für dich

Von 99 Luftballons

Auf ihrem Weg zum Horizont.

Denkst du vielleicht grad' an mich?

Dann singe ich ein Lied für dich

Von 99 Luftballons

Und dass so was von so was kommt.

99 Luftballons

Auf ihrem Weg zum Horizont

Hielt man für Ufo's aus dem All.

Darum schickte ein General

'ne Fliegerstaffel hinterher,

Alarm zu geben, wenn's so wär'.

Dabei war'n dort am Horizont

Nur 99 Luftballons.

99 Düsenflieger,

Jeder war ein großer Krieger,

Hielten sich für Captain Kirk.

Das gab ein großes Feuerwerk.

Die Nachbarn haben nichts gerafft

Und fühlten sich gleich angemacht.

Dabei schoss man am Horizont

Auf 99 Luftballons.

99 Kriegsminister,

Streichholz und Benzinkanister,

Hielten sich für schlaue Leute,

Witterten schon fette Beute.

Riefen Krieg und wollten Macht.

Man, wer hätte das gedacht,

Dass es einmal soweit kommt

Wegen 99 Luftballons,

Wegen 99 Luftballons,

99 Luftballons...

99 Jahre Krieg ließen keinen Platz für Sieger.

Kriegsminister gibt's nicht mehr

Und auch keine Düsenflieger.

Heute zieh' ich meine Runden,

Seh' die Welt in Trümmern liegen.

Hab' 'nen Luftballon gefunden,

Denk' an dich und lass' ihn fliegen.

Text 15. Einsamkeit (Erich Kästner)

Einsam bist du sehr alleine.

Aus der Wanduhr tropft die Zeit.

Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.

Träumst von Liebe. Glaubst an keine.

Kennst das Leben. Weißt Bescheid.

Einsam bist du sehr alleine –

und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Wünsche gehen auf die Freite.

Glück ist ein verhexter Ort.

Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.

Sucht vor Suchenden das Weite.

Ist nie hier. Ist immer dort.

Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.

Sehnsucht krallt sich in dein Kleid.

Einsam bist du sehr alleine –

und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.

Magst nicht bleiben, wer du bist.

Liebe treibt die Welt zu Paaren.

Wirst getrieben. Musst erfahren,

dass es nicht die Liebe ist...

Bist sogar im Kuss alleine.

Aus der Wanduhr tropft die Zeit.

Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.

Brauchtest Liebe. Findest keine.

Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.

Einsam bist du sehr alleine –

und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Text 16. Der Alte (Theodor Storm)

An einem Spätherbstnachmittage ging ein alter wohlgekleideter Mann langsam die Straße hinab. Er schien von einem Spaziergange nach Hause zurückzukehren; denn seine Schnallenschuhe, die einer vorübergegangenen Mode angehörten, waren bestäubt. Den langen Rohrstock mit goldenem Knopf trug er unter dem Arm; mit seinen dunklen Augen, in welche sich die ganze verlorene Jugend gerettet zu haben schien, und welche eigentümlich von den schneeweißen Haaren abstachen, sah er ruhig umher oder in die Stadt hinab, welche im Abendsonnendufte vor ihm lag.-

Er schien fast ein Fremder; denn von den Vorübergehenden grüßten ihn nur Wenige, obgleich Mancher unwillkürlich in diese ernsten Augen zu sehen gezwungen wurde.

Endlich stand er vor einem hohen Giebelhause still, sah noch einmal in die Stadt hinaus und trat dann in die Hausdiele. Bei dem Schall der Türglocke wurde drinnen in der Stube von einem Guckfenster, welches nach der Diele hinausging, der grüne Vorhang weggeschoben und das Gesicht einer alten Frau dahinter sichtbar. Der Mann winkte ihr mit seinem Rohrstock. "Noch kein Licht!" sagte er in einem etwas südlichen Akzent; und die Haushälterin ließ den Vorhang wieder fallen. Der Alte ging nun über die weite Hausdiele, dann durch einen Pesel (2), wo große Eichschränke mit Porzellanvasen (3) an den Wänden standen; durch die gegenüberstehende Tür trat er in einen kleinen Flur, von wo aus eine enge Treppe zu den oberen Zimmern des Hinterhauses führte. Er stieg sie langsam hinauf, schloss oben eine Tür auf, und trat dann in ein mäßig großes Zimmer. Hier war es heimlich und still; die eine Wand war fast mit Repositorien (4) und Bücherschränken bedeckt; an der andern hingen Bilder von Menschen und Gegenden; vor einem Tische mit grüner Decke, auf dem einzelne aufgeschlagene Bücher umherlagen, stand ein schwerfälliger Lehnstuhl mit rotem Sammetkissen. - Nachdem der Alte Hut und Stock in die Ecke gestellt hatte, setzte er sich in den Lehnstuhl und schien mit gefalteten Händen von seinem Spaziergange auszuruhen.- Wie er so saß, wurde es allmählich dunkler; endlich fiel ein Mondstrahl durch die Fensterscheiben auf die Gemälde an der Wand, und wie der helle Streif langsam weiter rückte, folgten die Augen des Mannes unwillkürlich. Nun trat er über ein kleines Bild in schlichtem schwarzen Rahmen. "Elisabeth!" sagte der Alte leise; und wie er das Wort gesprochen, war die Zeit verwandelt; er war in seiner Jugend.

Texterläuterungen

1.)  Immensee: Handschrift der ersten Fassung ist nicht bekannt. Über einige Anregungen berichtet Storms erster Biograph Paul Schütze in seinem Buch Theodor Storm. Sein Leben und seine Dichtung (Berlin 1887, S.102 f.): "Eines Tages - ich weiß das aus dem Munde des Dichters selbst - befand er sich in einer Gesellschaft, wo man eine junge Dame erwartete, die aber nicht erschien; es wurde dann erzählt, ein älterer reicher, als nüchtern geschäftsmäßig charakterisierter Mann hab um sie angehalten, und sei diese Verlobung ein Werk der Mutter. Unter der Anregung dieses Vorfalls entstand am nächsten Tage das Lied: "Meine Mutter hat's gewollt". Ob er erst von diesem Liede aus das Motiv zur Novelle gefunden, oder dieselbe schon vorher begonnen, weiß der Dichter nicht mehr genau."

2.)  Pesel, der; -s, -: prächtig ausgestatteter Hauptraum bes. des nordfriesischen Bauernhauses.

3.)  große Eichschränke mit Porzellanvasen: Zur alten Einrichtung repräsentativer Räume in den Bürgerhäusern Norddeutschlands gehörten jeweils zwei (meist aus den Niederlanden importierte) Vasen auf den Ecken der großen Leinen - und Geschirrschränke.

4.)  Repositorien: Offene Bücherregale oder Aktenablagen.

Text 17. Die Kinder (Theodor Storm)

Bald trat die anmutige Gestalt eines kleinen Mädchens zu ihm. Sie hieß Elisabeth und mochte fünf Jahre zählen; er selbst war doppelt so alt. Um den Hals trug sie ein rotseidenes Tüchelchen; das ließ ihr hübsch zu den braunen Augen.

"Reinhardt!" rief sie, "wir haben frei, frei! den ganzen Tag keine Schule, und morgen auch nicht."

Reinhardt stellte die Rechentafel, die er schon unterm Arm hatte, flink hinter die Haustür, und dann liefen beide Kinder durch's Haus in den Garten, und durch die Gartenpforte hinaus auf die Wiese. Die unverhofften Ferien kamen ihnen herrlich zu Statten. Reinhardt hatte hier mit Elisabeths Hülfe ein Haus aus Rasenstücken aufgeführt; darin wollten sie die Sommerabende wohnen; aber es fehlte noch die Bank. Nun ging er gleich an die Arbeit; Nägel, Hammer und die nötigen Bretter lagen schon bereit. Während dessen ging Elisabeth an dem Wall entlang und sammelte den ringförmigen Samen der wilden Malve in ihre Schürze; davon wollte sie sich Ketten und Halsbänder machen; und als Reinhardt endlich trotz manches krumm geschlagenen Nagels seine Bank dennoch zu Stande gebracht hatte und nun wieder in die Sonne hinaustrat, ging sie schon weit davon am andern Ende der Wiese. "Elisabeth!" rief er, "Elisabeth!" und da kam sie, und ihre Locken flogen. "Komm", sagte er, "nun ist unser Haus fertig. Du bist ja ganz heiß geworden; komm herein, wir wollen uns auf die neue Bank setzen. Ich erzähl' Dir etwas."

Dann gingen sie beide hinein und setzten sich auf die neue Bank. Elisabeth nahm ihre Ringelchen aus der Schürze und zog sie auf lange Bindfäden; Reinhardt fing an zu erzählen: "Es waren einmal drei Spinnfrauen - - "

"Ach", sagte Elisabeth, "das weiß ich ja auswendig; Du müsst auch nicht immer dasselbe erzählen."

Da musste Reinhardt die Geschichte von den drei Spinnfrauen stecken lassen, und stattdessen erzählte er die Geschichte von dem armen Mann, der in die Löwengrube geworfen war. "Nun war es Nacht", sagte er, "weißt Du? ganz finstere, und die Löwen schliefen. Mitunter aber gähnten sie im Schlaf und reckten die roten Zungen aus; dann schauderte der Mann und meinte, dass der Morgen komme.

Da warf es um ihn her auf einmal einen hellen Schein, und als er aufsah, stand ein Engel vor ihm. Der winkte ihm mit der Hand und ging dann gerade in die Felsen. Elisabeth hatte aufmerksam zugehört. "Ein Engel?" sagte sie. "Hatte er denn Flügel?"

"Es ist nur so eine Geschichte;" antwortete Reinhardt; "es gibt ja gar keine Engel."

"0 pfui, Reinhardt!" sagte sie und sah ihm starr in's Gesicht. Als er sie aber finster anblickte, fragte sie ihn zweifelnd: "Warum sagen sie es denn immer? Mutter und Tante und auch in der Schule?"

"Das weiß ich nicht", antwortete er.

"Aber Du", sagte Elisabeth, "gibt es denn auch keine Löwen?"

"Löwen? Ob es Löwen gibt! In Indien; da spannen die Götzenpriester sie vor den Wagen und fahren mit ihnen durch die Wüste. Wenn ich groß bin, will ich einmal selber hin. Da ist es viel tausendmal schöner als hier bei uns; da gibt es gar keinen Winter. Du musst auch mit mir. Willst Du?"

"Ja", sagte Elisabeth; "aber Mutter muss dann auch mit, und Deine Mutter auch."

"Nein", sagte Reinhardt, "die sind dann zu alt, die können nicht mit."

"Ich darf aber nicht allein."

"Du sollst schon dürfen; Du wirst dann wirklich meine Frau, und dann haben die Andern Dir nichts zu befehlen."

"Aber meine Mutter wird weinen."

"Wir kommen ja wieder", sagte Reinhardt heftig; "sag es nur gerade heraus, willst Du mit mir reisen? Sonst geh ich allein; und dann komme ich nimmer wieder."

Der Kleinen kam das Weinen nahe. "Mach nur nicht so böse Augen", sagte sie; "ich will ja mit nach Indien."

Reinhardt fasste sie mit ausgelassener Freude bei beiden Händen und zog sie hinaus auf die Wiese. "Nach Indien, nach Indien!" sang er und schwenkte sich mit ihr im Kreise, dass ihr das rote Tüchelchen vom Halse flog. Dann aber ließ er sie plötzlich los und sagte ernst: "Es wird doch nichts daraus werden; Du hast keine Courage."

"Elisabeth! Reinhardt!" rief es jetzt von der Gartenpforte. "Hier! Hier!" antworteten die Kinder und sprangen Hand in Hand nach Hause.

Text 18. Im Walde (Theodor Storm)

So lebten die Kinder zusammen; sie war ihm oft zu still, er war ihr oft zu heftig, aber sie ließen deshalb nicht von einander; fast alle Freistunden teilten sie, Winters in den beschränkten Zimmern ihrer Mütter; Sommers in Busch und Feld. - Als Elisabeth einmal in Reinhardts Gegenwart von dem Schullehrer gescholten wurde, stieß er seine Tafel zornig auf den Tisch, um den Eifer des Mannes auf sich zu lenken. Es wurde nicht bemerkt. Aber Reinhardt verlor alle Aufmerksamkeit an den geographischen Vorträgen; statt dessen verfasste er ein langes Gedicht; darin verglich er sich selbst mit einem jungen Adler, den Schulmeister mit einer grauen Krähe, Elisabeth war die weiße Taube; der Adler gelobte an der grauen Krähe Rache zu nehmen, sobald ihm die Flügel gewachsen sein würden. Dem jungen Dichter standen die Tränen in den Augen; er kam sich sehr erhaben vor. Als er nach Hause gekommen war, wusste er sich einen kleinen Pergamentband mit vielen weißen Blättern zu verschaffen; auf die ersten Seiten schrieb er mit sorgsamer Hand sein erstes Gedicht. - Bald darauf kam er in eine andere Schule, hier schloss er manche neue Kameradschaft mit Knaben seines Alters; aber sein Verkehr mit Elisabeth wurde dadurch nicht gestört. Von den Märchen, welche er ihr sonst erzählt und wieder erzählt hatte, fing er jetzt an, die, welche ihr am besten gefallen hatten, aufzuschreiben; dabei wandelte ihn oft die Lust an, etwas von seinen eigenen Gedanken hineinzudichten; aber, er wusste nicht weshalb, er konnte immer nicht dazu gelangen. So schrieb er sie genau auf, wie er sie selber gehört hatte. Dann gab er die Blätter an Elisabeth, die sie in einer Schubfach ihrer Schatulle sorgfältig aufbewahrte; und es gewährte ihm eine anmutige Befriedigung, wenn er sie mitunter Abends diese Geschichten in seiner Gegenwart aus den von ihr geschriebenen Heften ihrer Mutter vorlesen hörte.

Sieben Jahre waren vorüber. Reinhardt sollte zu seiner weiteren Ausbildung die Stadt verlassen. Elisabeth könnte sich nicht in den Gedanken finden, dass es nun eine Zeit ganz ohne Reinhardt geben werde. Es freute sie, als er ihr eines Tages sagte, er werde, wie sonst, Märchen für sie aufschreiben; er wolle sie ihr mit den Briefen an seine Mutter schicken; sie müsse ihm dann wieder schreiben, wie sie ihr gefallen hätten. Die Abreise rückte heran; vorher aber kam noch mancher Reim in den Pergamentband. Das allein war für Elisabeth ein Geheimnis, obgleich sie die Veranlassung zu dem ganzen Buche und zu den meisten Liedern war, welche nach und nach fast die Hälfte der weißen Blätter gefüllt hatten.

Es war im Juni; Reinhardt sollte am andern Tag reisen. Nun wollte man noch einmal einen festlichen Tag zusammen begehen. Dazu wurde eine Landpartie nach einer der nahe gelegenen Holzungen in größerer Gesellschaft veranstaltet. Der stundenlange Weg bis an den Saum des Waldes wurde zu Wagen zurückgelegt; dann nahm man die Proviantkörbe herunter und marschierte weiter. Ein Tannengehölz musste zuerst durchwandert werden; es war kühl und dämmerig und der Boden überall mit feinen Nadeln bestreut. Nach halbstündigem Wandern kam man aus dem Tannendunkel in eine frische Buchenwaldung; hier war Alles licht und grün, mitunter brach ein Sonnenstrahl durch die blätterreichen Zweige; ein Eichkätzchen sprang über ihren Köpfen von Ast zu Ast. - Auf einem Platze, über welchem uralte Buchen mit ihren Kronen zu einem durchsichtigen Laubgewölbe zusammenwuchsen, machte die Gesellschaft Halt. Elisabeths Mutter öffnete einen der Körbe; ein alter Herr warf sich zum Proviantmeister auf. "Alle um mich herum, Ihr jungen Vögel!" rief er, "und merket genau, was ich Euch zu sagen habe. Zum Frühstück erhält jetzt ein Jeder von Euch zwei trockene Wecken (1); die Butter ist zu Hause geblieben, die Zukost (2) müsst ihr Euch selber suchen. Es stehen genug Erdbeeren im Walde, das heißt, für den, der sie zu finden weiß. Wer ungeschickt ist, muss sein Brot trocken essen; so geht es überall im Leben. Habt Ihr meine Rede begriffen?"

"Ja wohl!" riefen die Jungen.

"Ja seht", sagte der Alte, "sie ist aber noch nicht zu Ende. Wir Alten haben uns im Leben schon genug umhergetrieben; darum bleiben wir jetzt zu Haus, das heißt, hier unter diesen breiten Bäumen, und schälen die Kartoffeln, und machen Feuer und rüsten die Tafel, und wenn die Uhr zwölf ist, sollen auch die Eier gekocht werden. Dafür seid Ihr uns von Euren Erdbeeren die Hälfte schuldig, damit wir auch einen Nachtisch servieren können. Und nun geht nach Ost und West und seid ehrlich!"

Die Jungen machten allerlei schelmische Gesichter. "Halt!" rief der Herr noch einmal. "Das brauche ich Euch wohl nicht zu sagen, wer keine findet, braucht auch keine abzuliefern; aber das schreibt Euch wohl hinter Eure feinen Ohren, von uns Alten bekommt er auch nichts. Und nun habt Ihr für diesen Tag gute Lehren genug; wenn Ihr nun noch Erdbeeren dazu habt, so werdet Ihr für heute schon durch's Leben kommen."

Die Jungen waren derselben Meinung und begannen sich paarweise auf die Fahrt zu machen.

"Komm, Elisabeth", sagte Reinhardt, "ich weiß einen Erdbeerenschlag (3); Du sollst kein trockenes Brot essen."

Elisabeth knüpfte die grünen Bänder ihres Strohhutes zusammen und hing ihn über den Arm. "So komm", sagte sie, "der Korb ist fertig."

Dann gingen sie in den Wald hinein, tiefer und tiefer; durch feuchte undurchdringliche Baumschatten, wo Alles still war, nur unsichtbar über ihnen in den Lüften das Geschrei der Falken; dann wieder durch dichtes Gestrüpp, so dicht, dass Reinhardt vorangehen musste, um einen Pfad zu machen, hier einen Zweig zu knicken, dort eine Ranke bei Seite zu biegen. Bald aber hörte er hinter sich Elisabeth seinen Namen rufen. Er wandte sich um. "Reinhardt!" rief sie, "warte doch, Reinhardt!" Er konnte sie nicht gewahr werden; endlich sah er sie in einiger Entfernung mit den Sträuchern kämpfen; ihr feines Köpfchen schwamm nur kaum über den Spitzen der Farrenkräuter. Nun ging er noch einmal zurück und führte sie durch das Wirrnis der Kräuter und Stauden auf einen freien Platz hinaus, wo blaue Falter zwischen den einsamen Waldblumen flatterten. Reinhardt strich ihr die feuchten Haare aus dem erhitzten Gesichtchen; dann wollte er ihr den Strohhut aufsetzen und sie wollte es nicht leiden; dann aber bat er sie und dann ließ sie es doch geschehen.

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