Der Adler, das Wappentier des Bundeswappens, war das Herrschaftszeichen der römischen Kaiser. Als Karl der Große das römische Kaiserreich erneuerte, übernahm er dieses Symbol kaiserlicher Macht. Die späteren deutschen Herrscher waren zumeist gleichzeitig deutsche Könige und römische Kaiser. Der Adler wurde zum Staatswappen des 1871 gegründeten Deutschen Reiches, 1919 - schon in der heutigen Form - auch von der Weimarer Republik übernommen. 1950 bestimmte Bundespräsident Heuss den Adler als Staatswappen der Bundesrepublik Deutschland.

Die Farben Gold, Rot und Schwarz dienten erstmals auf dem Wart-burgfest 1817 als Erkennungszeichen der deutschen Burschenschaft. Diese studentische Vereinigung hatte sich dem Kampf für nationale Einheit und politische Freiheit in Deutschland verschrieben. Durch das Lied „Wir hatten gebaut ein stattliches Haus" von August Daniel von Binzer () wurde die Reihenfolge Schwarz-Rot-Gold festgeschrieben; beim Hambacher Fest (1832) zweifelte niemand mehr daran, dass dies die deutschen Farben seien.

Für den Parlamentarischen Rat war es 1949 selbstverständlich, daß die Tradition von Schwarz-Rot-Gold als Farben der Einheit und Freiheit wieder aufgenommen wurde. Artikel 22 des Grundgesetzes bestimmt: „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold." Wie die Flagge der Bundesrepublik Deutschland geht auch die Nationalhymne auf die Zeit vor der Revolution von 1848 zurück: Der Text des „Liedes der Deutschen" wurde 1841 auf der Insel Helgoland von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben () zu einer Melodie („Kaiserquartett") von Joseph Haydn () verlasst. 1922 erhob der erste Reichspräsident der Weimarer Republik, Friedrich Ebert, das „Lied der Deutschen" zur Nationalhymne. Nationalfeiertag ist der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit.

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5.5 Tradition der Stammesgliederung

(Quelle: Willkommen in Deutschland. Prestel-Verlag, Muenchen. 1992, S.6)

Die Geschichte Deutschlands ist die Geschichte eines langen Weges zum Nationalstaat. Germania ist nicht nur geographisch, sondern auch historisch der Name, den die Römer dem Gebiet zwischen Rhein und Elbe und Donau gaben, das von den deutschsprechenden Stämmen der Sachsen und Friesen im Norden, der Franken im Westen, der Thüringer in Mitteldeutschland, der Schwaben, Alemannen und Bayern im Süden besiedelt war. Die stammesmäßige Gliederung ist noch heute in den Ländern erkennbar, aus denen sich die Bundesrepublik Deutschland zusammenfügt. Der Frankenkönig Karl der Große faßte die deutschen Völkerschaften in einem großen, im Zeichen des Christentums geeinten Reich zusammen. Als der Papst ihn im Jahre 800 zum Kaiser krönte, wurde er Nachfolger der weströmischen Kaiser in einem erneuerten Imperium nördlich der Alpen. Das Riesenreich wurde unter seinen Nachfolgern geteilt: in ein westfränkisches, das heutige Frankreich, und ein ostfränkisches, das heutige Deutschland, und aus diesem ging unter Otto I. dem Großen (936-973) ein Gebilde hervor, das man seit dem 15. Jahrhundert das Heilig» Römische Reich Deutscher Nation nannte Es gab den Völkern Mitteleuropas ein einheitliches Gefüge. Seine Blütezelt währte bis etwa 1250. Es gilt als das Goldene Zeitalter der Ritterkultur.

5.6 Deutschlands Tor zur Welt

(Quelle: Willkommen in Deutschland. Prestel-Verlag, Muenchen. 1992, S.70)

Hamburg (755 qkm, 1,6 Millionen Einwohner) ist der wichtigste Seehafen der Bundesrepublik und zugleich ihr größter Außenhandels - und Transitplatz. Das Industriegebiet des Hafens umschließt Werften, Raffinerien und Veredelungsbetriebe für ausländische Rohstoffe. Neben diesen hafentypischen Industriezweigen haben zunehmend Unternehmen der Luft - und Raumfahrt, Elektronik, Feinmechanik, Optik und der chemischen Industrie an Bedeutung gewonnen.

Der Aufstieg Hamburgs zur Handelsstadt begann 1189 mit Zoll - und Wirtschaftsprivilegien. Eines der ersten Mitglieder der Hanse, war es bald deren wichtigster Umschlagplatz zwischen Nord - und Ostsee. 1460 und dann end-gültig 1510 wurde Hamburg Reichsstadt - und wahrte seine Eigenstaatlichkeit bis heute. Der verheerende Brand von 1842 und der Zweite Weltkrieg haben jedoch wenig von der Bausubstanz der mittelalterlichen Handelsmetropole übriggelassen.

5.7 Das berühmteste Gericht der Kasachen.

(Quelle: Kasachstan in Sicht. S.5)

Jeder Gast, der in Kasachstan war, kennt das Nationalgericht der Kasachen. Besch-parmak heißt es, ,,Fünf-Finger", weil die Kasachen es früher mit Händen gegessen haben. Heute wird es mit der Gabel gegessen, aber es sieht genauso aus wie früher: auf Bandnudeln (quadratische Nudelteigstücke), die in Fleischbrühe gegart sind, werden gekochte Hammel-, Pferde-, Rind - oder Kamelfleischstücke ausgebreitet, das Ganze wird mit Kartoffeln und Zwiebeln garniert. Dazu wird Fleischbrühe gereicht.

Besch-parmak ist das berühmteste Gericht der Kasachen, aber es gibt viele andere Speisen. ,,Kasy" z. B. ist eine Speise aus gedörrtem, gekochtem oder geräuchertem Pferdefleisch, das mit Knoblauch gewürzt wird. ,,Kasy" wird als Vorspeise gegessen. ,,Sime" ist eine Fleischspeise aus Hammelfleisch, das im eigenen Fett gebraten wird. ,,Manty" sind Fleischbällchen in Nudelteig (so ähnlich wie italienische Ravioli oder schwäbische Maultauschen nur, dass es in richtigen Manty viel mehr Fleisch und auch Kürbis gibt). Überhaupt ist Fleisch das Wichtigste in der kasachischen Küche. Kasachstan ist kein Land für Vegetarier.

Auch die meisten Gerichte der vielen anderen Nationen, die in Kasachstan leben, können Vegetarier kaum trösten. Die meisten Gerichte werden ebenfalls mit Fleisch zubereitet. Schaschlyk (aus dem Kaukasus) ist zwar weltberühmt, aber ohne Fleisch nicht vorstellbar. Das Nationalgericht der Uiguren, Lagman, eine An Nudelsuppe, wird am liebsten mit Fleisch gegessen. Die Nationalspeise der Usbeken. der Plow, wird zwar meist mit „Reisfleisch" übersetzt, aber es gibt auch eine süße Variante: Plow mit Früchten.

Viel Essen macht Durst: Hier hat Kasachstan etwas Besonderes zu bieten. Fast auf jedem größeren Markt gibt es Milch von drei verschiedenen Tierarten: von der Kuh. vom Kamel, vom Pferd. ..Kumys" (Stutenmilch) und „Schubat" (Kamelmilch) schmecken besonders im Sommer gut, wenn diese Getränke gekühlt serviert werden. Wer es weniger exotisch mag, bleibt beim Tee, der gewöhnlich aus Schalen getrunken wird, immer heiß und meist mit Milch.

Nach einem Getränk ist vielleicht wieder Platz für eine Süßspeise. „Baursaky" z. B., Teigröllchen, die in heißem Fell gebacken werden, oder,,Shent", eine Mischung aus Quark, zerstoßener Hirse, Zucker. Rosinen und Butler versöhnen auch Vegetarier wieder mit der kasachischen Küche.

5.8 Khosch Keldinis, Naurys

(Quelle: Kasachstan im Deutschunterricht. S.56)

Wann beginnt das neue Jahr? - Am 1. Januar. Das ist in Kasachstan genauso wie fast überall auf der Welt. Aber daneben gibt es noch ein Fest, das traditionelle Neujahrstfest der Kasachen: das Naurys-Fest.

Naurys ist ein persisches Wort und heißt eigentlich „Neuer Tag". Mit dem „Neuen Tag" begann nach dem alten iranischen Kalender das neue Jahr. In Kasachstan wird das Naurysfest am Tag des Frühlingsanfangs gefeiert, dem 22. März.

Schon die Nacht vorher ist eine bedeutungsvolle Nacht. Es ist die Hyzyr-ata-Nacht. Hysyr-ata ist eine mythologische Gestalt, die den Menschen Glück und Wohlstand bringt. Er ist das Symbol des Guten, der aufgehenden Sonne: Wenn Hyzyr-ata auf die Erde blickt, dann taut es hier. Die Hyzyr-ata-Nacht beginnt am 21. März. In dieser Nacht schlafen die Menschen nicht. Sie warten auf das neue Jahr, das am 22. März um drei Uhr morgens beginnt.

Alte und Junge haben in dieser Nacht alle Hände voll zu tun. Die Mädchen bereiten ein sonderbares Gericht zu: Uyky Aschar - ,,Gericht, das den Schlaf vertreibt", und die Jungen schenken ihnen dafür Spiegelstücke, Kämme oder Parfüm. Jedes Geschenk hat seinen Sinn: Die Spiegel symbolisieren die jugendliche Unschuld, die Kämme stehen für die Schönheit und Zärtlichkeit und das Parfüm steht für das Aufblühen in der Natur. Zu guter Letzt lässt man ein geschmücktes Kalb durch die Siedlung springen - mit einer Puppe in Nationaltracht auf dem Rücken und einer Schelle am Hals. Das ist das Symbol des neuen Jahres. Jetzt beginnt eine lustige Feier: Witze, Spiele, lautes Lachen, Theaterstücke, Märchengestalten - alles ist möglich und bezaubernd.

Der Naurystag selbst ist ein heiliger Tag für die Kasachen. Wenn es an diesem Tag regnet oder schneit, sind die Menschen darüber sehr froh. Das bedeutet nämlich, dass das ganze Jahr fruchtbar sein wird. Der Märzschnee heißt auf kasachisch Akhschakhar - er ist besonders weiß und flockig. Auch schöne Mädchen werden so genannt. Am Naurystag ziehen die Menschen ihre beste Kleidung an und wünschen einander Glück. Die Menschen haben dafür auch ein Sprichwort: „ Wenn dir am Naurystag ein guter Mensch Gliick wünscht, dann wirst du das ganze Jahr lang erfolgreich sein ".

Am Feierlag kocht man auch ein traditionelles Gericht, - Naurys-Koeshe - , das sieben Zutaten enthalten muß: Fleisch, Salz. Milch, getrockneten Käse, Weizen, Reis und Hirse oder Gerste. Auf dem festlich gedeckten Tisch - dem Dastarchansetzt man den Gästen auch sieben Gerichte vor: aus Weißem (Milchgerichte), aus Grünem (Körner und Früchte) und aus Rotem (Fleisch). Der Kopf des Schafes wird dem ältesten Mann am Tisch geschenkt. Alle Gäste essen sich satt, denn das bedeutet: Dann wird man das ganze Jahr über ohne Leiden und ohne Hunger leben.

Es ist eine gute Tradition, sich am Naurystag zu versöhnen und einander zu verzeihen. ,,Gutes wird mit Gutem bezahlt", sagen die Kasachen, und auch: ,,Ein richtiger Mann zahlt fiir Böses mit Gutem."

Am Abend, wenn die Sonne untergehen will, treten zwei Sänger auf und beginnen einen Wettstreit im Singen und Improvisieren. Dieser Wettstreit heißt auf kasachisch Aitys. Er symbolisiert den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse, des Winters gegen den Sommer, der Kälte gegen die Hitze, des Eises gegen die Flamme. Es dunkelt langsam, und die heilige Flamme von zwei Feuerstellen macht die Luft hell und sauber. Die Menschen im Umkreis singen, spielen und tanzen. Die ganze Nacht wird wieder lustig verbracht. Vor dem Sonnenaufgang geht man auf eine naheliegende Anhöhe und begrüßt die Morgenröte. Man verneigt sich tief vor der Sonne, begießt die Erde mit Milch und wünscht einander Wohlergehen.

Das Naurysfest wird in jedem Jahr von den Kasachen als das größte und wichtigste Fest des Jahres gefeiert; nicht nur in den Auls und Siedlugen, sondern auch in den großen Städten. Überall, sowohl in Universitaeten und Schulen als auch in Kindergärten und Betrieben, ist Naurys der Anlass zu einem langen, großen, lustigen Fest.

5.9 Abai – der Nationaldichter des kasachischen Volkes

(Quellle: Kasachstan im Deutschunterricht. S.79)

Ibragim Kunanbajew, genannt Abai, wurde 1845 in einem Dorf unweit Semipalatinsk geboren. Sein Vater war ein reicher Feudalherr, der älteste Sultan in seinem Stamm. Mit neun Jahren besuchte der kleine Ibragim die Medresse, die islamische religiöse Schule in Semipalatinsk. Dort lernte er die Literaturen des Ostens kennen und begann selbst Gedichte zu schreiben. Jedoch genügte ihm die Ausbildung in der Medresse nicht und so lernte er zusützlich Russisch. Dadurch fand er Zugang zur russischen Literatur und durch sie lernte er auch die großen Autoren des Westens kennen.

Schon früh begleitete Abai seinen Vater in die kasachischen Auls, wo dieser die Verwaltung führen und Recht sprechen mußte. Dabei studierte er die Folklore seines Folkes, sah aber auch dessen Armut und Unterdrückung. Wegen seiner Liebe zum einfachen Volk und wegen seines Sinnes für Gerechtigkeit war er bei den armen Kasachen sehr beliebt. Er sorgte sich um die Entwicklung seines Volkes und setzte sich auch in seinen literarischen Werken sowohl für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse als auch für die Hebung von Bildung und Kultur seines Volkes ein.

Abais Schaffen war sehr vielfältig. Er schrieb nicht nur viele Gedichte – Liebeslyrik, Naturgedichte und Gedichte mit sozialer Thematik – sondern machte das kasachische Volk auch mit der Lyrik anderer Völker bekannt. Mit vielen seiner Nachdichtungen traf er die Empfindungen seiner Landsleute so genau, dass seine Verse im Nu bekannt wurden und von Mund zu Mund gingen. Sie wurden echtes literarisches Eigentum des kasachischen Volkes. So geschah es auch mit dem Gedicht Goethes, das Abai in der russischen Nachdichtung Michail Lermontows («Горные вершины») kennenlernte.

Abai starb am 6. Juli 1904

5.10 Kinderfeste.

(Quelle: Kasachstan im Deutschunterricht. S.53)

In der Kultur der Kasachen gibt es sehr viele Feste für Kinder. Die wichtigsten sind: Bessike-Salu – das Wiegenfest, Kyrkynan-Schigaru – das Vierzig-Tage-Fest, Schildechana – das Fest der Namensgebung, Sündet – die Beschneidung der Knaben, Syrga-Salu – ein Fest für bald heiratsfähige Mädchen, Toghymkaghar – ein Fest für Jungen sowie Tussau-Kessu – die ersten Schritte des kleinen Kindes.

Ein interessantes Fest für Jungen ist Toghymkaghar, das bedeutet soviel wie „Sattelklopfer“. Es wird gefeiert, wenn der Junge „sattelfest“ ist, wenn er also kein kleines Kind mehr ist, sondern fast schon ein Jüngling und selbständig und sicher reiten kann.

Am Bessike-Salu- Fest, dem Wiegenfest, wird das Kind von einer älteren Frau feierlich zum ersten Mal in die Wiege gelegt.

Syrga-Salu ist ein Fest nur für Mädchen. Es wird gefeiert, wenn das Mädchen etwa sieben bis neun Jahre alt ist. Für dieses Fest werden von der Mutter des Mädchens Ohrringe vorbereitet. An diesem Fest nehmen alle Nachbarinnen teil. Wenn das Mädchen etwa 12 bis 13 Jahre alt ist, folgte früher Syrga-Tagu: Dann wurden außen an der Jurte oder am Haus deutlich sichtbar Ohrringe befestigt. Das bedeutete, dass hier ein junges, schon heiratsfähiges Mädchen wohnte.

Schildechana, das Fest der Namensgebung, wird in der zweiten Woche nach der Geburt des Kindes gefeiert. An diesem Fest gibt ein älterer, besonders angesehener Gast dem Kind seinen Namen. Vorbild dafür ist oft ein besonders geehrter Mensch, es können aber auch die Namen der Großeltern, oft des Mannes, sein. Der angesehene Gast spricht dem Kleinkind den Namen dreimal laut ins Ohr: „Dein Name ist …“ Jetzt erst hat das Kind einen gültigen Namen.

Kyrkynan-Schigaru findet vierzig Tage nach der Geburt des Kindes statt. An diesem Tag wird das Kind von einer erfahrenen älteren Frau feierlich mit 40 Löffeln Wasser gewaschen. Um die Fußgelenke des Kleinkindes wird ein Tuch gebunden. Dann wählt man einen angesehenen Menschen, der das Tuch rituell zerschneidet und dem Kind alles Gute wünscht. Die Person, die diese Aufgabe erfüllt hat, bekommt von den Eltern des Kindes ein Geschenk.

Tussau-Kessu, also „Babys erster Schritt“, wird gefeiert, wenn das Kind etwa ein Jahr alt ist. An diesem Tag binden die Erwachsenen dem Kind ein weißes und ein schwarzes Tuch um die Beine. Bei dem ersten Schritt des Kindes werden diese beiden Tücher in einer feierlichen Zeremonie zerschnitten.

Sündet ist das traditionelle islamische Beschneidungsfest für Jungen im Alter von etwa fünf bis sieben Jahren.

Alle diese Feste sind traditionelle Feste in kasachischen Familien. Aber es gibt auch die anderen Feste, die „ganz normalen“, die in den kasachischen Familien genauso gefeiert werden wie in allen anderen, der erste Schultag zum Beispiel oder einfach Geburtstag oder am 1. Juni der „Tag des Kindes“.

6 Meine Universität. Die Berufswahl. Mein zukünftiger Beruf

6.1 Trotz Krise den richtigen Job finden?

“Spiegel” (2008, № 7)

Augen auf bei der Berufswahl - der alte Spruch gilt in wirtschaftlich unsicheren Zeiten mehr denn je: Welche Ausbildung, welches Studium bietet langfristig sichere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt? Und welcher Weg bugsiert einen garantierten Erfolg?

Wer in Deutschland mit der Schule fertig ist, hat bei der Berufs - und Studienwahl die Qual der Wahl: Neben 344 staatlich anerkannten betrieblichen Berufsausbildungen gibt es derzeit etwa 12.700 Studiengänge und –fächer. Zirka 390 staatlicher und privater Hochschulen werben um die Gunst der Abiturienten, zudem entstehen immer neue Studiengänge. Tatsache ist: Bei dem unüberschaubaren Angebot fällt es Schulabgängern schwer, den Blick in die richtige Richtung zu lenken. Berufsberater raten Schülern daher erstmal, die eigenen Interessen und Wünsche zu erkunden, statt auf der Suche nach Informationen planlos im Internet herumzusurfen und sich von den vielen Möglichkeiten verwirren zu lassen. Um diesen Jugendlichen und ihren Eltern Orientierung für den Einstieg in die Berufwelt zu geben, wurden spezielle Programme entwickelt. Denn für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben beginnt die Talentsuche spätestens während des letzten Schuljahres, um die Karriere zielorientiert und auf seine Fähigkeiten abgestimmt zu beginnen. An erster Stelle steht dabei die Frage nach den Themen, die einen besonders beschäftigen und Spass machen. Ein Tipp dazu ist, regelmässig ein Tagebuch führen, in das man regelmässig eigene Beobachtungen einträgt.

Experten warnen zudem vor übereilten Entscheidungen: Berufswahl ist ein Prozess, der Zeit braucht und nicht von Heute auf Morgen entschieden werden darf. Wer wert auf einen krisensicheren Job legt, kann in überregionalen Zeitungen regelmässig die Stellenanzeigen zu den relevanten Berufen lesen und so herausfinden, auf welche Studiengänge Arbeitgeber besonders achten. Dann kann man zielgerichtet Informationen im Internet recherchieren. Hier findet man Beschreibungen von Tätigkeiten und erhält man Informationen über Zukunftsperspektiven und Verdienstmöglichkeiten. Aber nicht nur das: Berufenet zeigt auch, welche Ausbildung man machen muss, um zu seinem Wunschberuf zu gelangen, nennt Alternativen und bietet Hinweise auf weitergehende Informationsquellen wie Hochschulen oder Stellenanzeigen.

6.2 Die Berufswahl- die Wahl der Eltern oder eine eigene?

«Spiegel» 2007 (№ 5)

Viele Eltern können kaum glauben, dass die Familientradition bei der Berufswahl heute noch eine Rolle spielt. Sie vermuten eher das Gegenteil: dass Kinder die Berufe ihrer Eltern nicht ausüben wollen. Dass also der Sohn der Kaufmannsfamilie zum Sozialarbeiter und die Tochter der Lehrerin zur Polizistin wird. Wissenschaftler können dies jedoch nicht bestätigen. So fand die aktuelle Berufswahlstudie des Deutschen Studentenwerks heraus: Haben die Eltern nicht studiert, schaffen es nur 23 Prozent ihrer Kinder auf die Universität oder Fachhochschule. Umgekehrt gilt das Gleiche, weil der Nachwuchs in Akademikerfamilien entsprechend gefördert wird. Ebenfalls erwiesen ist, dass der älteste Sohn oft Hof, Geschäft, Kanzlei oder Praxis der Eltern übernimmt, um das Familienvermögen zu sichern. Eine erstaunliche Beobachtung machte zudem der dänische Psychiater Oluf Martensen-Larsen. Demnach wählen ältere Brüder oft den Beruf des Pastors. Demgegenüber wird laut Martensen-Larsen die grosse Schwester eher Psychologin, Sozialarbeiterin oder Krankenschwester, "weil sie schon in ihrer Kindheit ihre Geschwister umsorgen musste". Die moderne Soziologie betrachtet die Thesen des Forschers skepisch. Sie hält sich an Fakten wie eine Studie der Universität Würzburg, in der angehende Sonderpädagogen als Hauptmotiv für ihre Berufswahl den "Umgang mit Menschen" nannten, während die Familie demnach kaum Einfluss hat. Ähnliche Hinweise existieren auch für Journalisten und Sprachwissenschaftler, während Musiker, wie zu Zeiten der Bachs und Mozarts, immer noch oft aus einer entsprechenden „Dynastie“ stammen. Familienbande findet man auch unter Handwerkern und Bergleuten. Unter den akademischen Berufen zeigen, wie Tino Bargel von der AG Hochschulforschung in Konstanz berichtet, Juristen und Ärzte "die höchste soziale Vererbung". Die Erklärung dafür liegt aber weniger am „sicheren und schönen“ Job, als vielmehr darin, dass Mediziner ähnlich wie die Handwerker in Kammern organisiert sind. Und bei diesen Regeln haben "Pflichterfüllung und Entsagung sowie die Verleugnung und Verdrängung eigener Bedürfnisse einen extrem hohen Stellenwert".

6.3 "Mädchen sollten dahin kommen, sich jeden Beruf zuzutrauen"

«Frankfurter allgemeine Zeitung” 2007 (№ 4)

Jedes Jahr entscheiden sich zehntausende Schülerinnen für einen typischen Frauenberuf, und damit für weniger Geld und schlechte Aufstiegschancen.

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Als typische Frauenberufe gelten zum Beispiel Krankenschwester oder Erzieherin. In der Statistik heissen sie "weiblich dominierte Berufe", das heisst es gibt zwischen 80 und 100 Prozent weibliche Auszubildende. Diese Berufe gelten als familiennah, weil man hier soziale Kompetenzen einsetzen kann, die man auch in der Familie braucht. Viele junge Mädchen ergreifen diese Berufe mit der Begründung, sie kӧnnten dann Arbeit und Familie besser vereinbaren. Dabei ist das in diesen Berufen gerade nicht der Fall. Die Technikberufe sind zum Beispiel sehr viel familien - und arbeitszeitfreundlicher als die Berufe in der Krankenpflege oder im Handel. Und Frauenberufe sind sehr häufig Sackgassenberufe: Es ist kein Aufstieg mӧglich.. Doch wählen die Frauen bei all diesen Nachteilen diese Berufe. Das geschieht aus mehreren Gründen.

Junge Frauen haben wenig Wissen über die tatsächliche Berufsrealität und ihre Aufstiegschancen. Ausserdem ist in der Bundesrepublik der gesellschaftliche Druck sehr hoch, dass die Frau einen Beruf haben sollte, der dem Geschlechtsrollenbild entspricht Und das beeinflusst die jungen Mädchen.

Frauen in techniknahe Berufe zu bringen, kann ja kein Ziel an sich sein. Die Frauen, die die technischen Berufe erlernen, müssen später auch Entwicklungs - und Aufstiegschancen haben. Mädchen sollten dahin kommen, sich jeden Beruf zuzutrauen. Sie sollten aus ihrer subjektiven Motivation heraus entscheiden, welcher Beruf für sie geeignet und realistisch ist. Und dann ist es nicht mehr so wichtig, ob das ein technischer Beruf ist oder ein Dienstleistungsberuf. Die Frage ist doch auch immer, ob die gesellschaftliche Bewertung des Berufes so bleibt wie sie ist, wenn mehr Mädchen oder mehr Männer in das andere Berufsfeld reingehen.

6.4 Berufswahl bedeutet Wissen

«Stern” 2008 (№ 8)

Berufswahl bedeutet Wissen um sich selbst. Das fällt jedoch manchen Schülerinnen und Schülern heute schwer, Orientierung für den Einstieg in die Berufwelt zu finden. Welche Traumberufe entstanden bei den Schülern und was nehmen sie wahr?

Claudia Mittnacht : “Ich suche eine Arbeitsplatz, bei dem ich mit vielen Menschen zusammenarbeiten kann und bei dem Kreativität gefordert ist. Am liebsten würde ich in einer Werbeagentur oder bei einer Zeitung arbeiten”.

Miriam Wipfler: “Meine Arbeit soll mir auf jeden Fall Spass machen und Abwechslung bringen. Das Finanzielle ist fur mich zweitrangig. Ich muss mich in meinem Beruf wohl fühlen konnen.

Philipp Keller: “Ich wünsche mir im Beruf viel Abwechslung. Mein Job sollte mir Spass machen und Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Reine Büroarbeit ist nichts für mich, eine praktische Tätigkeit ware mir lieber.

Wirklich, sind die Meinungen ganz verschieden. Und welche Berufe, Tätigkeiten und Qualifikationen werden in Zukunft gefragt sein?

Wir stehen heutzutage am Übergang in die Wissensgesellschaft und das Managen von Wissen wird immer wichtiger. Der Informations - und Telekommunikationssektor gewinnt zunehmend an Bedeutung. Deshalb sind auch die neuen IT-Berufe wie beispielsweise Informations - und Telekommunikationssystem - Kaufmann oder Fachinformatiker so gefragt. Auch im Bereich Medien tut sich einiges. Hier gibt es jetzt etwa den Film - und Videoeditor und den Kaufmann fur audiovisuelle Medien. In Zukunft werden zudem kaufmännische Berufe in den Bereichen Freizeit und Gesundheit an Bedeutung gewinnen. Im IT-Bereich haben wir einen ziemlichen Boom. Hier verändert sich alles in einem wahnsinnigen Tempo. Auch die technischen Berufe begeistern immer mehr Schulabgänger mit Abitur – vor allem wenn sie mit IT oder Medien zu tun haben.

Auch sind die Perspektive der frühen Selbstständigkeit auf der Basis eines Ausbildungsberufs gerade fur Abiturienten hochinteressant. In einer wachsenden Dienstleistungsgesellschaft nehmen auch die Chancen zu, sich in verschiedenen Bereichen selbstständig zu machen. So gibt es im IT - und im Medienbereich viele Neugründungen, nicht zu sprechen von der rasanten Entwicklung des Internets.

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