4. Eine fremdwortarme Sprache können wir nur schreiben, wenn der Quell der Neuwörter nicht versiegt. Gegen den Übermaß der Fremdwörter sind gute Neuwörter unentbehrlich. Auch wenn jedem Neuwort von Herzen abgeneigt ist, kann man den Satz nicht bestreiten: Nach allen Erfahrungen der Sprachgeschichte haben wir nur die Wahl, das bisherige Ausmaß der Fremdwörterei beizubehalten oder einen Teil der Fremdwörter durch Neuwörter zu ersetzen.

Einen Teil! Denn die Sprache nimmt überhaupt Neuwörter nur allmählich und tropfenweise auf, und mit Recht, denn wenn morgen schlagartig Tausende von Neuwörtern eingeführt werden, hörte die Verständlichkeit auf; die Neuwörter würden dann unverständlicher als die Fremdwörter. Neuwörter sind unentbehrlich, aber man kann nicht die zehntausend landesüblichen Fremdwörter durch zehntausend Neuwörter ersetzen.

12. Die Kunst zu lehren

Der Verfasser darf keinesfalls den jeweils vorgetragenen Teil seines Buches als bekannt voraussetzen. Gerade bei Büchern, die wirklich viel zu sagen haben, kann der Leser nicht alles auf einmal behalten. Deshalb ist es gut, wenn der Verfasser von Zeit zu Zeit seine Ausführungen kurz zusammenfasst, beispielsweise am Ende jedes Kapitels. Solche Zusammenfassungen sind auch erzieherisch für ihn selber. Wenn er eine Zeitlang nur unbestimmte Allgemeinheiten gesagt hat: bei der Zusammenfassung wird er es deutlich gewahr.

НЕ нашли? Не то? Что вы ищете?

. . . Ein Lehrbuch soll das Lernen leicht machen: die Wege stehen in diesem Kapitel. Zu dieser Arbeit gehören Wohlwollen und Erfahrung. Wohlwollen: der Lehrer muss sich ganz in der Lage des Schülers denken. Erfahrung: er muss die Handgriffe kennen, mit denen man den Stoff so durchknetet, das er in des Schülers Kopf wirklich gründlich hineingeht, dass er nicht nur verstanden, sondern die geistige Welt des Schülers anverwandelt (assimiliert) wird. Diese einzelnen Handgriffe versucht das Kapitel aufzuzeigen.

Solche Arbeit segnet nicht nur den Schüler, sondern noch mehr den Lehrer. Die Darstellung verbessern, heißt den Gedanken verbessern.

13. Die Kunst zu reden. Der freie Vortrag

(Auszüge aus dem Buch "Beruf und Sprache". Ausgabe Bayern, Schroedel – Gehlen Verlag, 1992)

Warum sollen wir frei sprechen?

In der Familie, bei der Arbeit, beim Einkaufen und bei vielen anderen Anlässen reden die Menschen frei, d. h. sie lesen das, was sie sagen, nicht ab und haben es auch vorher nicht auswendig gelernt.

Soll jemand jedoch vor einer größeren Zahl Menschen reden und bekommt dafür Vorbereitungszeit, so arbeitet er seine Rede oft schriftlich aus, liest sie ab oder lernt sie auswendig. Von der Natürlichkeit und Spontaneität des freien Redens bleibt nicht viel übrig. Die Zuhörer werden müde und schalten ab.

Der freie Vortrag ist für den Zuhörer angenehm und dadurch für den Redner erfolgreich.

Ratschläge für einen guten Redner

Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze.

Klare Disposition im Kopf – möglich wenig auf dem Papier. Tatsachen, oder Appell an das Gefühl, Schleuder oder Harfe. Ein Redner sei kein Lexikon. Das haben die Leute zu Hause.

Der Ton einer einzelnen Sprechstimme ermüdet; sprich nie länger als vierzig che keine Effekte zu erzielen, die nicht in deinem Wesen liegen. Ein Podium ist eine unbarmherzige Sache – da steht der Mensch nackter als im Sonnenbad. Merk Otto Brahms Spruch: Wat jestrichen is, kann nicht durchfallen.

Kurt Tucholsky (1890-1935)

Freies Sprechen ist erlernbar!

Frei sprechen soll Ihnen mit Hilfe folgender Hinweise gelingen.

1. Anfangsmotivation: Der Anfang der Rede soll motivieren. Die ersten Sätze sollen beim Zuhörer Spannung und Neugierde erzeugen, damit er aufmerksam wird.

Tip: Beginnen Sie – noch vor der Begrüßung – mit einem "Knallzitat"!

2. Dauermotivation: Die Spannung und Neugierde müssen aufrechterhalten werden, damit sich der Hörer nicht langweilt. Das erfordert Anschaulichkeit und Verständlichkeit. Ein komplizierter Sachverhalt muss durch Tabellen, Skizzen und Darstellungen auf der Tafel, dem Tageslichtprojektor oder mittels anderer Medien anschaulich, also begreifbar und verständlich gemacht werden. Zweckmäßig sind auch kurze Zusammenfassungen am Ende eines Gedankens.

Tip: Geben Sie 3-5 Punkte als Überblickentwurf vor: die Einleitung, die 3-4 wichtigsten Punkte Ihres Vortrages und den Schluss als Zusammenfassung oder Ergebnis. Kündigen Sie den Schluss an und legen Sie Wert auf einprägsame Schlusssätze!

3. Vortragstechnik: Ein interessantes Thema kann durch die Art des Vortrages langweilig werden, nämlich dann, wenn der Redner im Eiltempo halblaut seine Rede abliest und sich nicht um seine Hörer kümmert. Nur der frei Sprechende kann mit den Zuhörern Blickkontakt herstellen und aufrechterhalten. So fühlt sich der Zuhörer angesprochen und hat das Gefühl, der Redner stelle sich auf ihn ein.

Der Hörer muss den Redner verstehen. Hier taucht immer wieder die Frage auf, ob man in reinem Hochdeutsch oder in seiner regionalen Mundart sprechen soll. Unabhängig vom Hörerkreis ist Hochdeutsch Schriftsprache, Sprache der Schule und Behörden und unsere gemeinsame Verständigungsbasis. Da die Rede ankommen und verstanden werden soll, muss der Adressatenkreis berücksichtigt werden. So kann bei gleichem Thema vor der Klasse "leicht gefärbtes" Hochdeutsch und vor der Freizeitgruppe Mundart angebracht sein.

Immer muss die Artikulation, die Aussprache der Wörter klar und deutlich sein. Die Verständlichkeit kann unterstützt werden von einer angemessenen Betonung und der Sprechmelodie. Der individuelle Klang der Stimme kann unterschiedliche Gefühlsregungen ausdrücken wie z. B. Unsicherheit, Fröhlichkeit, Überheblichkeit oder Ironie. Der Klang sollte dem Inhalt der Rede angepasst sein, aber nicht übertrieben und unnatürlich.

Auch das Sprechtempo kann unterschiedlich sein: Komplizierte Sätze und schwierige oder besonders wichtige Begriffe werden langsamer und mit kurzen Pausen gesprochen.

Entsprechend sollte auch die Lautstärke wechseln. Ein sehr leiser Vortrag kann oft nicht von allen problemlos gehört werden und erregt deshalb Unwillen. Ein sehr lauter Vortrag kann aufdringlich wirken und ebenfalls die Zuhörer ärgern.

Tip: Fragen Sie die Zuhörer, ob Sie auch hinten gehört und verstanden werden!

4. Haltung: Während des Vortrags steht auch die Person des Redners im Mittelpunkt. Seine Haltung, seine Gestik und Mimik werden genau beobachtet. Es ist daher wichtig, ruhig und möglichst locker, aber nicht zu lässig von den Zuhörern zu stehen. Oft zeigen sich Nervosität und Unsicherheit des Redners in unkontrollierten Handbewegungen.

Tip: Besorgen Sie sich ein kleines Rednerpult, hinter dem Sie solche Unruhe teilweise verbergen können. Den ersten Vortrag können Sie auch einmal zu Hause vor dem Spiegel proben oder vor Familienmitgliedern oder Freunden.

PRAKTISCHE AUFGABEN

1. Aufgabe zum Thema "Wortwahl. Bildkraft "

. . . Die deutsche Sprache besitzt einen sehr großen Wortschatz. Dieser große Wortschatz würde zwar gerade gestatten, jede Sache besonders genau zu bezeichnen, aber er vergrößert die Mühe der Auswahl. So sitzt der Ausdruck in der Tat oft hart neben den Gedanken. Gerade deshalb muss man immer wiederholen:

"Die Wahrhaftigkeit aller Stils besteht in der Richtigkeit der Worte. Eine Sprache hat keine Synonyme (sinngleiche Wörter). Ein Gedanke, ein Gefühl, eine Sinneseigenschaft hat nur einen einzigen Ausdruck: Sache des gewissenhaften Schriftstellers ist es, sich nicht zufrieden zu geben, bis er das Wort findet, das auf seinen Gedanken passt und ihn darstellt, wie der gute Handschuh die Hand zeichnet, die er bekleidet". (Karl Hillebrand)

. . . Die große Stilregel: "Wähle das besondere Wort, nicht das allgemeine" ist uralt. . .

Wer etwas geschrieben hat, soll sich, wenn er es durchliest, bei jedem Satz die Frage vorlegen: kann ich an irgendeiner Stelle einen speziellen Ausdruck einsetzen? Je weniger allgemein ein Wort ist, desto besser ist es, desto genauer bezeichnet es die Sache. . .

1. 1. Vergleichen Sie weitere Texte!

Blasser allgemeiner Ausdruck:

1.Schlitten um Schlitten fährt bei dem Palast vor. Ein plötzlicher Halt, dass die Pferde ausgleiten; die Leute steigen aus den Schlitten; im großen Bogen schwingt der pelzgekleidete Kutscher die Peitsche über die Pferde; schweratmend mit lebhafter Bewegung fangen sie wieder an zu laufen, rennen weiter und sind in der dichten Schneenacht nicht mehr zu sehen.

2.Ich ging schwankend hinunter und begegnete vor dem Haus zwei Totengräbern; der eine hielt mich fragend an, indem er mir ins Gesicht leuchtete. Der andere zog einen kleinen Wagen geräuschvoll mit sich.

Scharfer besonderer Ausdruck:

1."Troika um Troika fegte vor das Tor des Palastes. Ein Ruck, dass sich die Rosse auf die Hinterbacken setzen – die Schlitten leeren sich – weit ausholend knallt der pelzvermummte Kutscher über das Dreigespann – schnaubend und schlagend springen die Rosse ins Geschirr, fliegen hinein ins Schneetreiben, das sie verschluckt". (Georg Schmückle)

2."Ich taumelte die Stiege hinab und stieß vor dem Haus auf zwei Totengräber: der eine hielt mir seine Laterne ins Gesicht und fragte mich, was ich suche. Der andere schob seine ächzende knirschende Karre vor die Haustür". (Hugo v. Hofmannsthal)

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