3.Ein anderes Volk kann vielleicht finden, dass die Farbe des Heideröschens und die Farbe eines jungen Birkenblüttchens ein gemeinsames Merkmal haben, nämlich die Helligkeit, und so würde dies Volk aus rosa und hellgrün den Begriff hellfarbig bilden.
4.So wie der, der sich einfach kleidet, darum doch nicht in Sack und Asche zu gehen braucht, so braucht auch derjenige, der einfach schreiben will, nicht auf die Kunstmittel unserer Sprache zu verzichten.
5.Alle Mittel der mündlichen Rede sind ihm in seiner Prosa geläufig.
Wenn wir nun die Reihe dieser Beispiele abschließen, so kann man eigentlich doch wohl fast behaupten, dass diese Beispiele zwar ja selbstverständlich nicht die Entbehrlichkeit der Flickwörter beweisen, aber dass man doch immerhin gewissermaßen hierbei ein dringendes Bedürfnis nach einem Rotstift verspürt.
Goethe hasste die Flickwörter:
"Je mehr von Jugend auf das Gefühl bei mir wuchs, dass man schweigen solle, wenn man nichts zu sagen hat, desto mehr bemerkte ich, dass man aus natürlicher Fahrlässigkeit immer noch gewisse Flick - und Schaltwörter behaglich einschiebt, um eine sonst tüchtige und wirksame Rede zu erlangen".
8. Aufgabe zum Thema "Klarheit. Satzbau"
Die Satzüberfrachtung ist der Todfeind der Ordnung und der Klarheit. Sie ergibt einen Stopfstil, der unentwirrbar wird. . .
Selbst in seiner mildesten Form macht der Stopfstil die Sprache unschön und unklar:
1.Der Arianismus erlosch in sich selbst. Er war der erste naturgemäß vergebliche Versuch, den Glauben der Christenheit mit rationalistischer Dialektik zu versetzen. Die nicänische Lehre von der Unterschiedenheit und doch Wesensgleichheit (Homousie) des Vaters mit dem Sohne, welche dann in der Lehre von der Dreipersönlichkeit und von der Dreieinigkeit Gottes zum formulierten Ausdruck gelangte, trug den Sieg davon, weil sie das Unbegreifliche unbegreiflich sein lässt und das wunderbare Geheimnis von der Person Christi zugleich zeigt und keusch verhüllt. (Rudolf Sohm)
2.Die aus elf Juristen zusammengesetzte Kommission trat 1874 in Berlin zusammen, aber erst 1888 konnte der von ihr verfasste Entwurf, nicht ohne in den weitesten Kreisen durch seine unvolkstümliche Form und romantischen Inhalt vielfache Enttäuschungen zu bereiten, veröffentlicht werden. (Richard Schröder)
Versuchen Sie, diese Sätze übersichtlich umzubauen.
Der Stopfstil ist nicht minder abwegig als der Bandwurmstil. Beim Bandwurmstil sind die Sätze zu lang, man muss sie zerschneiden; beim Stopfstil sind sie zu dick, man muss sie entfetten.
9. Aufgabe zum Thema "Klang/Rhythmus. Gesetz der wachsenden Glieder "
Die deutsche Sprache ist klanglich leistungsfähig, aber anspruchsvoll. Unsere Prosa verlangt eine wechselnde Tonfolge. Auch in der Baukunst lässt man eine Reihe gleicher Glieder oft ein ungleiches am Ende folgen. In der Musik wird oft eine Reihe von gleichmäßigen Takten durch einen ungleichen abgeschlossen. Glücklicher und unglücklicher Rhythmus hängen oft an seiner einzigen Silbe.
Rhythmisch lästig sind künstliche Hauptwörter, die ein Zeitwort verdrängt haben, umständliche Fremdwörter und alle langen zusammengesetzten Wortgebilde: sie alle sind der Rede fremd und daher auch dem lebendigen Rhythmus.
Rhythmisch verfehlt sind auch die meisten überlangen Sätze; ein Satz soll nicht länger dauern, als man mit einem Atemzug vortragen kann.
Auf dem gleichen Bedürfnis nach einem festen Abschluss beruht das Gesetz der wachsenden Glieder. Der Germanist Otto Behaghel hat folgenden Versuch gemacht: er verteilte auf vier Zettel die Wörter: Gold – edles Geschmeide – und – sie besitzt und ließ durch beliebige Personen die Zettel zu einem Satze ordnen. Unfehlbar kam jedesmal der Satz zustande:
sie besitzt Gold und edles Geschmeide, niemals
sie besitzt edles Geschmeide und Gold.
Das Sprachgefühl setzt stets das längere von zwei nebengeordneten Satzgliedern ans Ende. Auch der Volksmund sagt: Art und Weise, Tod und Teufel, hinter Schloss und Riegel, gang und gäbe, Gift und Galle, Kind und Kegel, Kraut und Rüben, auf Treu und Glauben. Jedesmal steht das längere Wort am Schluss. Ja, das Sprachgefühl gestaltet sogar oft eines von zwei Gliedern etwas länger, um das Schlussplatz besser ausfüllen zu können.
Goethe, zum Beispiel, liebt es, den Begriff, der am Schluss eines Satzes steht, mit zwei Worten wiederzugeben, um so den Satzrhythmus abzurunden. Wenn man in den folgenden Beispielen das eine Wort streicht, so verliert der Inhalt wenig, der Rhythmus alles:
"Sie nahm sich vor, Marianen zu erinnern, was sie ihm schuldig sei und was er von ihrer Treue hoffen und erwarten müsse."
". . . dass wir das, was wir schätzen und verehren, uns auch womöglich zueignen, ja aus uns selbst hervorbringen und darstellen möchten."
Die deutsche Sprache erleichtert uns die Ausbesserung rhythmischer Störungen durch die Freiheit ihrer Wortstellung und Wortfügung. Eine Wendung wie an dem Tage des Gerichts können wir durch Auslassungen und Zusammenziehungen in acht verschiedenen Möglichkeiten der Tonfolge wiedergeben. (Bilden Sie 8 Varianten dieser Wendung )
10. Aufgabe zum Thema "Licht und Schatten der Fremdwörter"
Beispiele der Aufgabe 3 lehren: Wenn wir jedesmal das treffende deutsche Wort einsetzen, wird der Ausdruck genauer. Es gibt Fremdwörter, die in den meisten Sätzen entbehrlich sind, in einigen aber unersetzlich.
Kann man in folgenden Sätzen die Fremdwörter ersetzen?
1. Nur im harten Joch solcher Pflichten mochte sich das bewegliche Wesen des Dichters vollends fixiren. (Rudolf Haym)
2. Humbolds Briefe sind eine Zierde unserer epistolographischen Literatur. (Karl Busse)
3. Die Arbeitsteilung reduziert den Arbeiter auf eine degradierende Funktion. Dieser degradierenden Funktion entspricht eine depravierte Seele. (Karl Marx)
4. Im Zirkus Schumann sind die Singalesen noch für zwei weitere Abende prolongiert worden. (Tägliche Rundschau)
5. Im Zeitalter der Reformation hat man vielfach. . .
6. Hier muss sehr viel reformiert werden.
7. Ich begnüge mich meist mit Pflanzenkost, aber ich mache kein Prinzip daraus.
8. Ob diese Episode faktisch passiert ist, kann man nicht kontrollieren.
9. Sie bedeutete für ihn nur eine Episode.
10. Unsere Sprache ist durchaus qualifiziert, alle Dinge, von den prosaischsten bis zu den idealsten, exakt auszudrücken.
11. Mit den Details des Antrags bin ich nicht durchweg einverstanden, aber die Tendenz sagt mir zu.
12. Ehrgeiz war das stärkste Motiv seines Handelns.
13. Das alte System der bürgerlichen Gesellschaft drohte auseinanderzufallen.
14. Das Kaiserinterview von 1909 erregte viel Aufsehen.
15. Die Sängerin war leider etwas indisponiert.
16. Das Kabarett in der Leopoldstraße bringt einige neue Attraktionen.
17. Die Attraktion dieser Familie ist die Hausfrau.
18. Sie ist offenbar nicht sein Typ. – Das ist wieder einmal typisch für ihn.
19. Eine Nuance heller wäre mir der Stoff lieber.
20. Ich muss mich erst über die ganze Sache orientieren. Seine Weltanschauung ist ganz an Haeckel orientiert. – Er ist in dieser Frage gut orientiert.
21. Er hat intensiv gearbeitet.
22. Er ist ein sehr routinierter Schauspieler.
23. Das komplizierte Problem eines relativ billigen Umbaus. . . Das Problem der Unsterblichkeit.
24. Die wissenschaftliche Beobachtung hat ergeben, dass ein je geringeres Maß von ökonomischer Intelligenz auf der Produktionsseite waltet, desto beträchtlicher das Volumen der ihr auf der Erfolgsseite entsprechenden subterranen Vegetationsformen von Solanum tuberosum zu sein pflegt.
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