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Die Deutschen kannten auch andere Namen für diesen Monat. Die schriftlichen Denkmäler aus der Zeit des Frankenkönigs Karl des Großen weisen für diesen Monat den Namen «wintarmänoth» (Wintermonat) auf. Der Januar hieß in manchen Gegenden auch Horn (im Oberharz — großes Horn), der Februar — Hornung, d. h. «kleines Horn». Das Wort gehört wohl zu altnord. hiarn — hartgefrorener Schnee, so dass die Monate damit als großer und kleiner Eismonat bezeichnet wären.

Der lateinische Name Februar kommt vom Verb februare, was «reinigen» bedeutet. Diesen merkwürdigen Namen bekam der Monat deswegen, weil er im alten römischen Jahr der letzte Monat war, in dem die Römer ihr Reinigungsfest feierten.

Der März, lateinisch martius, trägt den Namen des römischen Kriegsgottes Mars. Der etymologische Ursprung des Namens April ist nicht sicher. Manche Sprachforscher leiten das Wort vom lateinischen Verb aperire «öffnen» ab, so dass das Wort April einen die Erde «öffnenden und die Schiffahrt einleitenden Frühlingsmonat» bezeichnete.

Den Namen des Monats Mai leiteten die alten Römer von der italischen Göttin des Wachstums ab, Maja, die in diesem Monat ihr Fest hatte. Über den Ursprung der Bezeichnung Juni (Junius) sind sich die Sprachforscher nicht einig. Die einen vertreten die Meinung, die lautliche Gestalt dieses Monatsnamens weise auf Juno hin (Jupiters Gattin), die anderen behaupten, der Monat wäre so nach Junius Brutus benannt, dem ersten Konsul Roms und Cäsars Mörder.

НЕ нашли? Не то? Что вы ищете?

Der folgende Monat hieß ursprünglich Quintilis, d. h. der Fünfte, und wurde 44 vor unserer Zeitrechnung Julius Cäsar zu Ehren Julius genannt. Auch der August wurde früher nach der Zahl als Sextilis bezeichnet, später aber zu Ehren des römischen Kaisers Augustus umbenannt. Die übrigen Monate sind einfach mit den Zahlen von sieben bis zehn benannt.

Auch der Ursprung der Namen der Tage ist höchst interessant. Dabei ist es zu bemerken, dass die deutschen Namen der Wochentage nicht lateinischer, sondern deutscher Herkunft sind.

Der Montag ist der Tag des Mondes.

Der Dienstag geht auf den Namen des alten germanischen Gottes Tius, Zio (Kriegsgott) zurück, die mit dem 13. Jahrhundert aufkommende Form Dingestag dagegen auf einen Beinamen des Gottes als Beschützer der Gerichtsverhandlung, ahd. ding; die Form Dienstag endlich verdankt ihre Entstehung einer irrtümlichen etymologischen Anlehnung an das Verb dienen.

Mittwoch (Mitte der Woche) hieß höchstwahrscheinlich einst Wodanestag (nach dem alt-germanischen Gott Wodan), wie noch in Westfalen Godenstag, engl. wednesday, niederl. woensdag.

Der Donnerstag ist nach Donar, dem Donnergotte, benannt.

Der Freitag verdankt seine Benennung der Göttin Frigg, Wodans Gemahlin, die ahd. Frea hieß, d. h. die Liebende.

Sonnabend ist eigentlich der Vorabend des der Sonne geweihten Tages. Das Wort ist in Norddeutschland bevorzugt, im Süden Deutschlands zieht man das Synonym Samstag vor.

Der Sonntag ist nichts anderes als eine treue Nachbildung des lateinischen Ausdrucks dies solis (Tag der Sonne).

b) Erzählen Sie über die Herkunft der deutschen Namen der Monate und Tage.

c) Wissen Sie, woher die russischen Namen der Monate und Tage stammen? Machen Sie einen Vortrag zu diesem Thema.

3. Lesen Sie einen Artikel aus der Zeitschrift «Juma» und antworten Sie auf die Fragen danach.

Böse, Böse!

So etwas sagt man nicht — und doch tun es die meisten! Schimpfwörter gibt es in allen Sprachen. Betroffen sind vor allem die, deren Namen in Schimpfwörtern auftauchen. Und davon gibt es in Deutschland einige...

Alberjan

(von «albern»=Dummheiten machen) alberner, kindischer Mensch.

Bürofritze

abwertend für einen pedantischen, weltfremden Menschen, der in einem Büro angestellt ist.

Dumpfheini

(von «dumpf»=stumpfsinnig, geistig unbeweglich)

abwertend für einen einfältigen, begriffsstutzigen Menschen; auch gebräuchlich: Dumpfbacke.

Else

jugendsprachlich abwertend für eine dumme, hässliche, unsympatische weibliche Person; oft zu Mädchen gesagt: blöde Else.

Fuddelpeter

abfällig für 1) einen Pfuscher, 2) einen Falschspieler, Betrüger.

Grüßaugust

abwertend für einen Empfangschef, Hotelportier o. a.

Heinz

vorwiegend jugendsprachlich salopp abwertend für einen einfältigen, lächerlichen Burschen.

Klassenaugust

abschätzig für jemanden, der in einer Klasse die Rolle des Spaßmachers spielt, sich zum Clown macht.

Michel

Spottname für einen Deutschen; in Zusammensetzung z. B. Ohnemichel (abschätzig für jemanden, der den «Ohne-mich»-Standpunkt einnimmt), Angstmichel (ängstlicher oder feiger Mensch).

Nörgelfritze

ein Mensch der ständig nörgelt, mit nichts zufrieden ist.

Otto Normalverbraucher

oft leicht abwertend für einen Normalbürger, Durchschnittskonsumenten ohne besondere Ansprüche.

Peter

in Verbindung mit einem abwertenden Eigenschaftswort eine Schelte für eine männliche Person, z. B. vergesslicher Peter, schwarzer Peter (Sündenbock); in Zusammensetzung z. B. Miesepeter (mürrische Person), Wackelpeter (zappeliges Kind).

Rudi Ratlos

(vielleicht zuerst in einem Liedtext von Udo Lindenberg) hilflos erscheinende männliche Person.

Suse (von «Susanne»)

(wohl verkürzt aus Wörtern wie «Heulsuse») abfällig für eine träge, weinerliche, unachtsame (weibliche) Person.

Tussi

(Kurzform von Thusnelda)

vorwiegend jugendsprachlich abwertend für 1. die feste Freundin eines jungen Mannes, 2. ein (hässliches, unsympatisches) Mädchen.

Uzbruder

(von «Uz», südwestdeutsche Koseform von «Ulrich») als Tadel für eine männliche Person, die sich gerne mit anderen einen Scherz erlaubt.

Wurzelsepp

in Bayern und Österreich spöttisch oder abschätzig für 1) einen Naturburschen, 2) einen alten, bärtigen Mann, 3) einen Apotheker oder Händler von Heilkräutern.

Zimperliese

Schimpfwort für eine übertrieben empfindliche (=zimperlische), wehleidige Person.

Alle Begriffe (sprachlich vereinfacht

und überarbeitet) aus:Herbert Pfeiffer,

Das große Schimpfwörterbuch,

Eichborn Verlag, Frankfurt, 1996

·  Gibt es in der russischen Sprache Namen, die als Schimpfwörter gebraucht werden? Welche? Was bedeuten sie?

4. a) Lesen Sie einen Auszug aus dem Roman von James Krüss «Mein Urgrossvater und ich», wo es um die Gewohnheit der Menschen geht, einander Spitznamen zu geben.

Der Spitzname des Herrn Singer

(J. Krüss)

Im Mai des Jahres 1912 fuhr von der Stadt Hamburg zur Insel Helgoland ein Dampfer, auf dessen Deck zwei Herren standen und sich unterhielten. Der eine von ihnen war dick, groß und ganz in Schwarz gekleidet. Der andere war klein und spindeldürr, hatte einen Kneifer auf der Nase und trug über seinen Schuhen gelbe Gamaschen.

«Waren Sie schon einmal auf Helgoland?» fragte der dicke Herr den spindeldürren. «Nein», antwortete der Herr mit dem Kneifer. «Ich fahre zum erstenmal hinüber. Ich werde dort Sekretär der Versorgungsgesellschaft für Hummerfischer-Witwen». Er verbeugte sich und sagte: «Darf ich mich vorstellen: Johann Jakob Singer.» «Sehr angenehm, Herr Singer! Mein Name ist Rasmussen, aber auf der Insel werde ich Donnerpastor genannt.»

«Wieso Donnerpastor?» fragte Herr Singer. «Weil ich den Helgoländern jeden Sonntag ins Gewissen donnere», sagte der Pastor. «Sie müssen nämlich wissen, Herr Singer, dass jeder, der auf Helgoland wohnt, einen Beinamen bekommt, einen Spitznamen.»

«Wie unangenehm!» rief Herr Singer. «Aber», fügte er mit spitzem Munde hinzu, «ich bekomme bestimmt keinen Spitznamen. Denn ich bin ein ehrbarer Mann, der arbeitet und seine Pflicht tut.»

«Vorsicht, Herr Singer, sagen Sie nicht so laut!» «Ich sage das, so laut ich will!» antwortete ärgerlich der Herr mit den gelben Gamaschen. Und im Bewußtsein seiner Ehrbarkeit setzte er hinzu: «Ich wette, dass Helgoländer mir keinen Spitznamen geben!»

«Die Wette ist angenommen!» rief mit dröhnender Stimme der Donnerpastor. «Wenn Sie in einer Woche noch keinen Spitznamen haben, dann will ich in einem Ruderboot dreimal um den Inselfelsen herumrudern.» «Topp», sagte Herr Singer und legte seine magere Hand in die kräftige Pranke des Pastors. «Derjenige von uns, der die Wette verliert, rudert dreimal um die Insel!»

Pastor und Versicherungssekretär versprachen einander, die Wette geheimzuhalten und in einer Woche, also am letzten Donnerstag im Mai, gemeinsam über die Insel zu spazieren und dabei nachzuforschen, ob Herr Singer einen Spitznamen bekommen habe.

Am Nachmittag erreichte der Dampfer die Insel Helgoland. Der Kapitän stoppte die Maschinen weit außerhalb der Insel, ließ die Anker ins Wasser rasseln und an die Backbordseite des Schiffes eine Strickleiter hängen. Gleich darauf kam von der Insel ein Ruderboot herüber, und alle Fahrgäste mussten an der Strickleiter ins Boot hinabklettern.

Pastor Rasmussen, der darin schon Übung hatte, war als erster auf der Leiter. Ihm folgte der ängstliche Herr Singer, der sich mit Füßen zitternd von Sprosse zu Sprosse tastete. Die Fischer unten im Boot starrten staunend auf seine zitronengelben Gamaschen und der Mann am Steuer sagte: «Er benimmt sich wie ein Storch im Salat.» Pastor Rasmussen lächelte in sich hinein, als er diese Bemerkung hörte.

Worterklärungen

spindeldürr — тощий, как жердь; худой, как щепка

der Kneifer — пенсне

hinzufügen — добавить

Versorgungsgesellschaft für Hummerfischer-Witwen — общество помощи вдовам рыбаков

die Ehrbarkeit — почтенность, степенность

die Pranke — лапа

geheimhalten — держать в тайне

die Strickleiter — верёвочная лестница

die Sprosse — ступенька

der Anker — якорь

b) Welche Sätze entsprechen dem Inhalt nicht?

1912 fuhr ein Dampfer nach Hamburg.

Auf Helgoland bekommt jeder einen Spitznamen.

Zwei dicke Herren standen auf dem Deck und sahen ins Meer.

Herr Rasmussen war Pastor auf Helgoland.

Die Herren wetteten und versprachen, niemandem über die Wette zu erzählen.

Sie beschlossen, zusammen am nächsten Tag dreimal um die Insel herumzufahren.

Die Fahrgäste mußten mit dem Ruderboot zur Insel fahren.

Der Sekretär war als erster auf der Strickleiter.

c) Suchen Sie im Text die Wörter, die Pastor Rasmusen und Herr Singer charakterisieren.

d) Sagen Sie, was für einen Spitznamen Pastor Rasmussen hat. Warum bekam er einen solchen Beinamen? Was für einen Spitznamen bekam Herr Singer? Warum?

e) Ist es für Ihre Gruppe typisch, Spitznamen den Mitstudenten bzw. Lehrern zu geben?

5. Lesen Sie den folgenden Text.

Ich Sperber

«Wie heiβt du», fragt die Lehrerin den letzten in dcr Fensterbankreihe. Sie spurt wieder stärker das Lauern in der Kiassc. Sie geht durch den schmalen Gang, stellt sich vor die letzte Bank. «Wie heiβt du. Ich habe dich was gefragt, hast du verstanden?»

«Sperber», sagt das Kind, ohne den Blick vom Fenster weg auf die Lehrerin zu richten.

Die Klasse raunt, das Lauern löst sich, Schuhsohlen seharren, die Hosenboden werden übers Holz gewetzt.

«Und mit Vornamen?»

«Sperber.»

Das Kind in der letzten Bank blickt nicht unfreundlich auf die Lehrerin, wendet sich wieder zum Fenster. Von den fast schon laublosen, fadendünnen Birkenzweigen hüpfen Spatzen und Nonnenmeisen auf die Fensterbrüstung, der gefräβige Kernbeiβer läβt sich nicht von ihnen vertreiben.

«Du musst doch einen Vornamen haben.» Die Lehrerin starrt das Kind an. Sie hat den Eindruck, als balle sich hinter ihrem Rückcn, den sie steif und warm spürt, die Kraft der Klasse. Sie beugt sich zu dem Kind hinunter: «Ganz gewiβ hast du eineu Vornamen, einen richtig netten hübschen Vornamen.»

Das Kind dreht mit Anstrengung den Kopf zur Lehrerin. Die Lehrerin starrt in sein weiβes sanftes abwesendes Gesicht, ihre flehenden Augen tasten es ab, suchen darin herum. «Sperber. Nur Sperber.» Gelächtcr springt auf, neben ihr, hinter ihr.

«Nun gut. Dann eben Sperber. Du weiβt nicht, was ein Vorname ist. Du bist nicht besonders gescheit. Vielleicht heiβt du Hans Sperber.»

Auf dem Götterbaum-Ast, der vor das letzte Fenster gckrümmt ist, hat ein Star sich niedergelassen.

«Oder Theobald Sperber, Franziskus Sperber. Irgendwas Bcsonderes, du willst es nicht jedem verraten.»

Das Kind blickt auf den Ast. Der Star wippt, bebt vor Erwartung. Endlich ein gröβerer Vogel: sogar ein Perlstar. Ist er mit Leinsamen und Hanf nicht zufrieden, weil er sich nicht heranwagt? Wie kann er sich nur vor dem winzigen Gewirr der Meisen fürchtcn: schwarz und langgestreckt und groβ. Das Kind beschlieβt, den kleinen Vögeln einen anderen Futterplatz einzurichten. Stare und Amseln könuten bci ihm landen. Aber erst der Sperber!

Die Klasse lacht, wartet. Die Lehrerin steht vor dem Kind.

«Aha. Du hast dir was Lustiges ausgedacht, willst mich anführen.»

«Eine gesperberte Brust», sagt das Kind. ,,Weiβ mit schwarzen Streifen. Ich bin der Sperber. Ich habe die Sperberbrust, alle Merkmale.»

Stimmen kreischen aus dem brodelnden Lachen.

«Aber jeder Spaβ hat mal ein Ende.»

Der erste Grünling dieses Vormittags schaukelt auf dem Birkenzweig. Mohn und Kolbenhirse muss es in Zukunft streuen. Der Grünling hat seine Scheu überwunden, flappt zwischen die Meisen; aber er fliegt davon, bevor er den Mut fassen konnte, sich ein Korn zu picken. Der Ast am Götterbaum ist wieder leer. Vor allem müssen Ameisenpuppen und Fliegenlarven besorgt werden. Später dann lebende Insekten. Es muss langsam und gründlich vorbereitet werden. Und soll man überhaupt den Sperber bis an die Schulfenster locken? Wird er sich mit dem, was man ihm da bieten kann, zufriedengeben? In läppischer Meisengesellschaft?

«Also ja ja ja», sagt die Lehrerin, «es ist ein sehr lustiger Streich, den du dir da ausgedacht hast, du komischer kleiner Sperber.» Sie dreht sich von dem Kind weg, geht den Gang zwischen den Bänken hinauf bis an ihren Tisch, stellt sich vor die Klasse. «Spaβ muss sein. Nicht alle Erwachsenen sind Spielverderber.»

«Er meint, er wär ein Vogel», ruft jemand von der Türreihe her.

Die Lehrerin hat Lust, rrut beiden ausgestreckten Armen aus der Unruhe eine Fläche zu schaffen, glättend, auf der Unruhe mit langgespanntem, endlich besänftigtem Körper dahinzugleiten, zu schwimmen. Sie vermeidet es, nach dem Kind auf der letzten Bank am Fenster zu sehen, aber in einem Winkel ihres Blicks kann es nicht verlorengehen, dort beharrt es darauf, ihren Zorn festzunageln mit seinem kleinen hartnäckigen Rücken, dem sanft und eindringlich weggewandten Gesicht.

Wann wird der Sperber aus dem Stechfichtenversteck herausschlagen, das vom Fenster aus wie Wolle wirkt, obwohl die Entfernung nicht groβ ist, fünfzig, sechzig Meter vielleicht, doch die Herbstluft macht alles undeutlich. Der Herbst hängt in Netzen vom Himmel, die Vögel kräftige schwarze Flecke darin. Wann wird der Sperber kommen, von Ast zu Ast im kahlen Götterbaum schrecken? Wird es erst im Frühjahr gelingen, ihn anzulocken, wenn es Forsythien gibt und Heckenkirschenknospen? Wird es Erfolg haben, ihm Nester in Bocksdorn und Schneebeerenbusch vorzubereiten? Nein, es wird nicht genügen. Man wird für ihn töten müssen, das wird nötig sein.

Die Lehrerin schlägt das Buch auf, fragt in die Klasse: «Was habt ihr denn zuletzt gemacht? Jetzt erzählt mir mal, was euer früherer Lehrer mit euch Schönes gelesen hat.»

Und vor allem Wacholder. Es muss einc ganze Hecke gepflanzt werden. Dicht schwarz muss sie sein, eine Wacholdermauer. Drosseln werden darin wohnen, man wird sie opfern müssen. Der Garten muss voller Vögel sein, voller Schlafbüsche und Mäuseschlupfwinkel. Der Sperber wird den Tisch gedeckt finden.

Die Lehrerin steht vor der scharrenden Klasse. ,,Bringen Sie's ihm doch mai bei, dass er kein Vogel ist!»

«Er ist ja verrückt!»

So lang der dunkle weggewandte Rücken nicht aus dem Winkel ihres Blicks getilgt ist, kann sie mit der Klasse nichts anfangen.

«Also gut» ruft sie, «der Unterricht ist für heute beendet. Den Sperber» — sie hatte ihre Stimme schraubend in die Höhe gezogen und wieder fallengelassen — «das Raubvögelchen werd ich nach Haus bringen und seiner Mutter übergeben. Wahrschcinlich hat er Fieber, das kommt auch mal bei Sperbern vor.» Die Hand der Lehrerin zerrt das Kind aus der Bank, es dreht sich noch zurück nach dem Stieglitzschwarm, der ins Goldrautendickicht hinter dem Schulgarten fällt.

«Na kleiner Sperber», sagt die Lehrerin, «jetzt kommen wir bald ins warme Bettchen, das wird gut tun.» «Ich muss neue Mausefallen stellen. Und ich brauchc tote Kleinvögel. Wie kriegt man tote Kleinvögel?» fragt das Kind.

Die Lehrerin nimmt sich vor, es nicht dabei bewenden zu lassen, das Kind bei der Mutter abzuliefern; sie wird dem Schulleitcr Bescheid geben; es ist womöglich nicht ganz normal.

Die Frau in der Haustür betrachtet die Lehrerin und das Kind, dann hockt sie sich hin, spannt die Arme aus.

«Komm hereingeflogen!» Sie flüstert an dem Kind vorbei mit der Lehrerin: «Seit Wochen schon! Was soll man tun?»

«Ich werde den Schulleiter fragen», sagt die Lehrerin, sie kauert sich neben die beiden. «Warum bist du ausgerechnet so ein böser Raubvogel, vvarum nicht eine liebe kleine Blaumeise, warum nicht? Du bist doch viel lieber und viel braver als alle deine Freunde in der Klasse, weiβt du das nicht? Viel sanfter und kleiner.»

«Du bist doch mein lieber kleiner Fink, meine winzige Meise», sagt die Mutter, sie setzt die Wörtcr voneinandcr ab, pappt in den Zwischenräumen Küsse auf seine weiβe Backe.

«Nein, alle kleinen Vögel, alle Mäuse und Insekten werde ich töten, ich Sperber.»

Gabriele Wohmann

6. Lesen Sie folgende Gedichte von S. Michalkov in Ihrer Muttersprache. Versuchen Sie diese auf deutsch wiederzugeben. Wie ist der Hauptgedanke beider Gedichte?

Смешная фамилия

Каких фамилий только нет:

Пятёркин, Двойкин, Супов,

Слюнтяев, Тряпкин-Дармоед,

Пупков и Перепупов!

В фамилиях различных лиц,

Порою нам знакомых,

Звучат названья рыб и птиц,

Зверей и насекомых:

Лисичкин, Раков, Индюков,

Селёдкин, Мышкин, Тёлкин,

Мокрицын, Волков, Мотыльков,

Бобров и Перепёлкин!

Но может некий Комаров

Иметь характер львиный,

А некий Барсов или Львов —

Умишко комариный.

Бывает, Коршунов иной

Синичкина боится.

А Чистунов слывёт свиньёй,

А Простачков — лисицей!

А Раков, если не дурак,

Невежда и тупица,

Назад не пятится как рак,

А всё вперёд стремится!

Плевков фамилию сменил,

Алмазовым назвался,

Но в основном — ослом он был,

Ослом он и остался!

А Грибоедов, Пирогов

Прославились навеки!

И вывод, стало быть, таков:

Всё дело не в фамилии, а в человеке!

С. Михалков

Финтифлюшкин

У папы Финтифлюшкина,

У мамы Финтифлюшкиной,

У сына Финтифлюшкиных

(Ему девятый год!) —

Не драма, не комедия,

А личная трагедия:

Семейную фамилию

Малыш не признает.

Конечно, Финтифлюшкины

Совсем не то, что Пушкины...

Но все же Финтифлюшкины

Рабочий русский род:

Он был прославлен предками —

Кондитерами редкими,

Их чудо-финтифлюшками,

Что сами лезли в рот.

Но Феде Финтифлюшкину

Нет дела до того,

Поскольку друг за дружкою

Все дети «Финтифлюшкою»

Теперь зовут его.

Как жить с такой фамилией,

И как ее терпеть?

Вот хорошо бы личную,

Совсем, совсем обычную,

Серьезную, приличную

Фамилию иметь!

Бывают же фамилии

Без разных глупых слов:

Ну, скажем, просто Сидоров!

А лучше — Иванов!

Но так уже положено,

Что там, где есть семья,

Там папина фамилия

И мамина фамилия —

Семейная фамилия,

А, стало быть, твоя!

И Феде Финтифлюшкину

Я свой совет даю:

Носи, малыш, с достоинством

Фамилию свою!

А если ты научишься

Работать и мечтать,

Великим Финтифлюшкиным

Ты в жизни можешь стать!

С. Михалков

7. Lesen Sie noch zwei Gedichte und vergleichen Sie diese miteinander. Was haben sie Gemeinsames? Wodurch unterscheiden sie sich?

Метаморфозы

Детство — это село Краснощеково,

Несмышленово, Всеизлазово,

Скок-Поскоково, чуть Жестоково,

но Беззлобнино, но Чистоглазово.

Юность — это село Надеждино,

Нараспашкино, Обольщаньино,

ну а если немножко Невеждино,

все равно оно Обещаньино.

Зрелость — это село Разделово:

либо Схваткино, либо Пряткино,

либо Трусово, либо Смелово,

либо Кривдино, либо Правдино.

Старость — это село Усталово,

Понимаево, Неупреково,

Забывалово, Зарасталово

и — не дай нам бог — Одиноково.

Е. Евтушенко

Frei interpretierte Ortsnamen

In Quassel wird bisweilen stur geschwiegen,

in Mausendorf wird selten was geklaut,

und wer in Kotzen wohnt, braucht's nicht zu kriegen,

in Kloster fand schon mancher seine Braut.

In Waldheim wird nicht nur im Wald gesessen,

in Dümmer sind die Menschen klug und schlau,

in Ahlbeck wird meist nur Aal schwarz gegessen,

und selbst in Rosa ist man manchmal blau.

Bei Kindelbrück stimmt endlich mal der Name!

Ich war auf Urlaub dort im vor'gen Mai,

nun schrieb mir eine nette junge Dame,

dass ich der Vater ihres Kindes sei.

Da ich aus Treuen bin, werd' ich nicht kneifen,

ich stehe treu zu meiner Vaterpflicht,

nur meine Frau, die wird sehr lautstark keifen,

mehr aber kaum - sie stammt aus Thumirnicht!

W. Hofmann

8. a) Lesen Sie den Text und beantworten Sie die Fragen danach.

Suzukis treffen sich in Wakayama (In Japan sind seit 1875 Familiennamen Pflicht) Alle Japaner mit dem Familiennamen Suzuki sind von den Behörden der westjapanischen Präfektur Wakayama zu einem.

Besuch eingeladen. Das Touristikbüro der Präfektur kam auf diese Idee, weil die Spuren der Ahnen der meisten Familien Suzuki nach Wakayama zurückzuverfolgen seien. Von November bis Mai kommenden Jahres werden zwischen Osaka und Kii Katsuura im Süden der Präfektur «Suzuki»-Sonderzüge verkehren. Folgten alle Suzukis der Einladung, würden sich über zwei Millionen Menschen nach Wakayama aufmachen. Doch selbst wenn dem nicht so ist, hoffen Eisenbahn und alle am Touristengeschäft Beteiligten auf gefüllte Kassen.

Die Hotelkosten sind eigens für alle Suzukis um zehn Prozent herabgesetzt worden. Als Anreiz wurden wertvolle Geschenke versprochen. Ministerpräsident Zenko Suzuki und der Gouverneur des Verwaltungsgebietes Tokio, Shunichi Suzuki, sind persönlich um einen Besuch in Wakayama gebeten worden. Zuweilen gibt es in Japan Meinungsverschiedenheiten darüber, welcher der häufigste Familienname ist. Versicherungsgesellschaften stellten Sato an die Spitze, während sich eine kürzlich beim Zeitungsverlag «Yomiuri» erschiene Übersicht für Suzuki entscheidet.

Erst seit reichlich 100 Jahren haben alle Bürger Japans einen Familiennamen. Bis dahin besaßen nur zehn Prozent — Fürsten, Samurai-Krieger und Shinto-Priester — der damals 30 Millionen Bewohner des Inselreiches dieses Privileg. Die Masse des Volkes war namenlos. Als 1870 die Meiji-Regierung, die die Modernisierung des Landes einleitete, ein Gesetz beschloß, das jedem das Recht auf einen Familiennamen einräumte, schenkten dem nur wenige Bauern, Händler und Handwerker Glauben. Fünf Jahre später machte eine Verordnung den Familiennamen zur Pflicht.

H. Kabus

b) Welcher Familienname ist der häufigste in Deutschland? Und in Russland?

c) Wann sind die Familiennamen in Russland zur Pflicht geworden?

Fragen zur Diskussion

1.  Welche männliche und weibliche Vornamen sind heute in Deutschland verbreitet? Welche Vornamen sind zur Zeit in Russland die beliebtesten? Nennen Sie Ihre russischen und deutschen Lieblingsnamen.

2.  Was wissen Sie über die Herkunft und die Bedeutung von deutschen und russischen Vornamen?

3.  Wie «deutsch» sind deutsche Namen? Aus welchen Sprachen wurden die verbreitesten deutschen Namen übernommen?

4.  Aus welcher Sprache stammt Ihr Vorname? Wie viele Vornamen gibt es in Ihrer Gruppe, die aus fremden Sprachen stammen? Aus welchen?

5.  Wo kann man Informationen über die Herkunft und die Bedeutung von verschiedenen Namen einholen? Was können Sie, z. B., aus einem Vornamenbuch herausfinden? Erzählen Sie über die Herkunft und die Bedeutung Ihres eigenen Vornamens und der Vornamen Ihrer Geschwister, Eltern, Großeltern und Freunde.

6.  Neben den Vornamen gibt es auch Spitznamen. Sicher werden in Ihrer Gruppe, in Ihrem Freundeskreis oder in Ihrer Familie welche verwendet. Erzählen Sie, wie und wann sind sie entstanden?

7.  Finden Sie die Spitznamen gut? Äußern Sie sich dazu und begründen Sie Ihre Meinung.

8.  Wie suchen die meisten Leute die Vornamen für ihre Kinder aus? Welche Möglichkeiten gibt es dabei? Welche Kriterien sind für Sie bei der Auswahl eines Vornamens wichtig? Wissen Sie, warum Sie Ihren Vornamen bekommen haben?

9.  Wie sind die Familiennamen in Deutschland und in Russland entstanden? Wie ist Ihr Familiennamen entstanden?

10.Welche Familiennamen sind in Deutschland und in Russland die verbreitesten? Welche Familiennamen kommen in Ihrem Heimatort oder in seiner Umgebung besonders häufig vor? Können Sie ihre Herkunft erklären?

III. SICH UND ANDERE VORSTELLEN

1.  Der «Tag, wie geht’s» — Rap

a) Hören Sie das Lied an und sprechen Sie mit der Kassette.

b) Wählen Sie eine Strophe oder den Refrain und üben Sie zu zweit.

Der «Tag, wie geht’s» Rap

1. Tag.

Tag?

Guten Tag!

Oh, «Tag»! Guten Tag!

Wie geht's?

Wie geht’s? Wie geht’s?

Wie geht es Ihnen?

Ah..., «Wie geht es Ihnen?»

Gut, danke, gut. Und Ihnen?

Wie geht es Ihnen?

Auch gut, danke. Danke, gut.

Auch gut, danke. Danke, gut.

Auch gut, danke. Danke, gut.

Sehr gut?

Na ja, es geht.

2. Guten Tag!

Tag.

Wie heißst du?

Heißt du?

Wie ist Ihr Name?

Ah..., ich heiße Yota.

Yota?

Yota ist mein Name. Und Sie?

Wie heißen Sie?

Ich heiße Miller.

Muller?

Nein, Miller ist mein Name. Miller!

Meller?

Nein, Miller ist mein Name. Miller!

Müller?

Nein, Miller ist mein Name.

Miller?

Genau!

3. Hallo!

Hallo!

Woher kommst du?

Aus Australien.

Aus Aus... wie?

Aus Australien! Und du?

Ich?

Woher kommst denn du?

Aus Japan.

Japan?

Ja, Japan!

Du kommst, du kommst...

...aus Japan. — Du kommst, du kommst...

...aus Australien. — Du kommst, du kommst...

...

2. «Ich heiße…», «Mein Name ist…», «Darf ich mich vorstellen?» — Es gibt viele Möglichkeiten, ein Gespräch zu beginnen. Spielen Sie folgende Dialoge vor.

a) Wir sind auf einer Cocktailparty. Jemand hat eingeladen. Die Gäste kennen sich nicht alle untereinander. Sie gehen aufeinander zu und stellen sich vor.

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