IV) Die Theorie des Homo oeconomicus liefert eine eindeutige Vorhersage, was in diesem Spiel passieren wird: Spieler B wird jede Aufteilung, die ihm mehr als 0 Cent anbietet, annehmen, denn selbst ein kleiner Betrag ist besser als gar nichts. Spieler A wird dieses Verhalten voraussehen und darum einen Aufteilungsvorschlag machen, der ihm selbst fast alles (9,99 Euro) und Spieler B fast nichts (0,01 Euro) anbietet. Die Ergebnisse der Experimente sehen jedoch vцllig anders aus. Fast 40 Prozent aller Versuchspersonen in der Rolle des Spielers A bieten ihrem Gegenspieler die 50:50-Aufteilung an. Nur ein Drittel ьberlдsst der Gegenseite weniger als 4 Euro. Wenn niedrigere Angebote gemacht werden, so werden sie von Spieler B hдufig abgelehnt, wobei die Wahrscheinlichkeit der Ablehnung steigt, je niedriger das Angebot ist.

V) Die Ergebnisses des Ultimatum-Spiels sind erstaunlich stabil. Es gibt kaum Unterschiede im Verhalten mдnnlicher und weiblicher Versuchspersonen, zwischen Studenten und Nichtstudenten, zwischen Amerikanern, Japanern und Europдern. Auch die Hцhe des aufzuteilenden Betrags scheint keine Rolle zu spielen: In Indonesien wurde das Ultimatumspiel mit Betrдgen gespielt, die etwa drei Monatseinkommen der Versuchspersonen entsprachen, ohne dass sich an den Ergebnissen viel geдndert hдtte. Offenbar wollen viele Versuchspersonen in der Rolle von Spieler B „unfaire“ Aufteilungsangebote von Spieler A vernichten, auch wenn ihr eigener Anteil dabei vernichtet wird. Und viele Spieler in der Rolle von Spieler A sind offenbar freiwillig bereit, den Geldbetrag mit vцllig fremden Menschen zu teilen. Vцllig eigennьtzige Personen wьrden das niemals tun.

НЕ нашли? Не то? Что вы ищете?

VI) In jьngster Zeit haben die Anthropologen Experimente mit dem Ultimatum Spiel auch bei verschiedenen Naturvцlkern durchgefьhrt. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede, wдhrend das Verhalten in fast allen entwickelten Industriestaaten nahezu identisch ist. Versuchspersonen aus dem Machiguenga-Stamm im Amazonas-Becken machen deutlich niedrigere Angebote (im Durchschnitt 26 Prozent des aufzuteilenden Betrags im Vergleich zu 45 Prozent in den Industriestaaten),und niedrige Angebote werden nur selten abgelehnt. Dagegen schlagen fast alle Mitglieder des Lamelara-Volkes in Indonesien die Gleichaufteilung vor.

VII) Die Lebensumstдnde dieser Naturvцlker deuten daraufhin, dass die Bedeutung der Fairness kulturell bedingt ist. Die Machiguenga leben als Sammler und Fischer fast vцllig autark in kleinen Familienverbдnden. Auf der Ebene des Stammes gibt es praktisch keinen Handel und keine gemeinsame Produktion. Die Lamelara sind dagegen Walfдnger, die mit mehreren groЯen Kanus mit bis zu zwцlf Mann Besatzung gemeinsam auf die Jagd gehen. Fьr sie ist enge Kooperation und Verlдsslichkeit aller Stammesmitglieder ьberlebenswichtig.

Klaus M. Schmidt: Vom Homo Oeconomicьs zum Homo Reciprocans. In : Einsichten. Forschung an der LMU Mьnchen Heft 1/2004, S. 18-21) (4.254 Zeichen)

* Homo oeconomicus lateinisch: der wirtschaftlich orientierte, am materiellen Gewinn interessierte Mensch

a) Schreiben Sie in die Kдstchen die Nummer des Abschnitts, in dem die betreffenden Informationen stehen. Wenn der Text eine solche Information nicht enthдlt, dann schreiben Sie ein „N“ in das Kдstchen.

[ ]Ergebnisse im Ultimatum-Spiel anders als vorhergesagt

[ ]Vor 100 Jahren gab es einen Wechsel in den Wirtschaftswissenschaften

[ ]Der nach der klassischen Theorie zu erwartende Ausgang des Ultimatum-Spiels

[.]Zweifel an der Richtigkeit der traditionellen Theorie der Wirtschaftswissenschaften

[ ]Zentrale Erkenntnisse bestimmen das Fairness-Verhalten

[ ]Differenzierte Ergebnisse im Ultimatumspiel bei nicht industrialisierten Vцlkern

[ ]Einheitliche Ergebnisse im Ultimatum-Spiel bei industrialisierten Vцlkern

[ ]Spielregeln fьr das Ultimatum-Spiel

b) Beantworten Sie die folgenden Fragen mit Informationen aus dem Text

1)Was ist das Neue an den „neuen Modellen“, die in Zeile 6 genannt werden (im Vergleich zur Theorie des „Homo oeconomicus“)?

2)Welche Erklдrung gibt der Text dafьr, dass die Ergebnisse im Ultimatum-Spiel nicht so sind, wie man sie nach der Theorie des „Homo oeconomicus“ erwarten mьsste?

3)Warum – glauben Sie – ist es fьr das Ultimatum-Spiel wichtig, dass die Spieler „sich nicht kennen“ und „sich wдhrend des Spiels nicht sehen“? (Zeile 20)

4)Wofьr wird Indonesien in Zeile 34 als Beispiel genannt?

5)Was bedeutet die Angabe „45 Prozent“ in Zeile 46?

6) Wie erklдrt der Text die Unterschiede zwischen den Spielergebnissen des Machiguena-Stamms (Zeile 50) und des Lamelara-Volks (Zeile 52)?

c) Die folgenden Wцrter haben mehrere Bedeutungen. Kreuzen Sie immer die Bedeutung an, die an der betreffenden Stelle im Text gemeint ist.

Ausgehen

(Zeile 7)

[ ]zu einer Veranstaltung, in ein Lokal gehen

[ ]zu Ende gehen

[ ]aufhцren, In Funktion zu sein

[ ]etwas voraussetzen, als Grundlage betrachten

[ ] Vorstellung

(Zeile 9/10)

[ ]persцnliche Bewerbung

[ ]das Bild, das man sich in Gedanken von etwas macht

[ ]eine Person mit einer anderen bekannt machen

[ ]Auffьhrung eines Theaterstьcks

annehmen

(Zeile 22/23)

[ ]eine bestimmte Dimension erreichen

[ ]ein Angebot akzeptieren

[ ]etwas aufgrund bestimmter Informationen glauben

[ ]etwas tun, weil man sich daran gewцhnt oder bei anderen gesehen hat

[ ] offenbar

(Zeile 39)

[ ]klar, deutlich sichtbar, leicht zu verstehen

[ ]wie es den Eindruck macht, wie es scheint, anscheinend

bedingt

(Zeile 50)

[ ]durch etwas bewirkt, verursacht

[ ]nicht in vollem Umfang, nur zum Teil

d) Worauf beziehen sich die folgenden Ausdrьcke im Text?

er (Zeile 18)

dieses Verhalten (Z. 23/24): Was fьr ein Verhalten?

ihr Anteil (Z. 38): wessen Anteil?

das (Z. 40):

sie (Z. 53)

Wissenschaftssprachliche Strukturen zum Lesetext „Das Ultimatum-Spiel“

(25) Ergдnzen Sie die Sдtze rechts vom Pfeil so, dass wieder ein vollstдndiger Satz entsteht, der in der Bedeutung zum Satz links vom Pfeil passt.

Beispiel: Die Wissenschaftler hatten Erfolg -> Die Wissenschaftler waren erfolgreich.

1) Seit einigen Jahren versucht man neue Modelle zu entwickeln, die von einem realistischeren Menschenbild ausgehen.

-» Seit einigen Jahren versucht man ___________________________ ___________________________Modelle zu entwickeln.

2) Das Verhalten vieler Menschen im Zusammenspiel mit anderen wird durch Vorstellungen von „Fairness“ bestimmt.

________________bestimmen _______________________ ________________.

Diese Tatsache kann sehr gut mit dem Ultimatum-Spiel verdeutlicht werden. -» Diese Tatsache ist ____________________________________________. -» Diese Tatsache lдsst ____________________________________________.

4) Wenn der Spieler B den Vorschlag annimmt, wird er verwirklicht.

-»Bei ____________________________________________wird er verwirklicht.

5) Die Theorie des Homo oeconomicus ist falsch, denn viele Spieler A bieten ihrem Gegenspieler eine 50:50-Aufteilung an.

-> Wenn die Theorie des Homo oeconomicus _____________________________, _______________ nur wenige Spieler A ihrem Gegenspieler _________________.

6) Die Wahrscheinlichkeit der Ablehnung steigt, je niedriger das Angebot ist. -» Je niedriger das Angebot ist, desto _____________________________________.

7)Die Hцhe des aufzuteilenden Betrags scheint keine Rolle zu spielen.

-» Anscheinend __________, wie viel _______________________________ soll.

8) Es gibt kaum Unterschiede im Spielverhalten mдnnlicher und weiblicher Versuchspersonen.

->Mдnnliche Versuchspersonen_____________weiblich____ Versuchspersonen.

Text III. „Das Weihnachtsgeschдft begann besser als erwartet“

Mehr Umsatz mit Spielwaren/Elektronik und Plьsch besonders gefragt. Nьrnberg, 12. November. Der deutsche Spielwareneinzelhandel erwartet im rammenden Jahr eine Umsatzsteigerung von 7 bis 8 Prozent. Nachdem der lange Samstag im November wesentlich mehr Umsatz brachte als erwartet, geht der Bundesverband des Deutschen Spielwareneinzelhandels davon aus, diese Zuwдchse bis Ende des Jahres halten zu kцnnen. Insgesamt geben die Verbraucher etwa 6,5 Milliarden DM im Jahr fьr Spielwaren aus. Der Verband geht davon aus, dass der Umsatz in den nдchsten Jahren gleich bleibt. Zunehmen werde der Umsatz mit alten Leuten, die mehr basteln und spielen. Ein Drittel des Umsatzzuwachses entfдllt auch in diesem Jahr auf Videospiele, die auf einen durchschnittlichen Umsatzanteil von 15 Prozent kommen. Weitere Renner sind Puppen, Eisenbahnen, Puzzle und Plьschartikel. Die Gesellschaftsspiele werden nach 7 Jahren, in denen ihr Umsatz um insgesamt 130% zunahm, keine weiteren Zuwдchse verbuchen kцnnen. Eine geringere Nachfrage ist nach Elektroautos zu verzeichnen. «Die gute Einzelhandelsentwicklung kam auch den deutschen Herstellern zugute. Nachdem der Handel bisher abgewartet habe, habe er mit Beginn des Weihnachtsgeschдfts seine Zurьckhaltung aufgegeben und wieder mehr bestellt. Im Vorjahr sind in Deutschland fьr 2,2 Milliarden DM Spielwaren hergestellt worden. In dem Umsatz der deutschen Hersteller steckt jedoch ein immer grцЯerer Anteil an Importware. Vor allem steigende Personalkosten zwingen die Hersteller zur Verlagerung der Fertigung ins Ausland, nach China und immer stдrker nach Osteuropa. Die Fertigungskosten in Polen beispielsweise lдgen bei etwa 20% der deutschen Kosten. AuЯerdem haben die direkten Importe im ersten Halbjahr noch einmal um 13% zugenommen, verursacht durch den Boom der Videospiele aus Japan. Japan ist damit seit einem Jahr das zweitgrцЯte Lieferland fьr den deutschen Markt nach China. Der Export deutscher Hersteller ins Ausland geht dieses Jahr leicht zurьck.

Erfreulich sind die Zahlen fьr ostdeutsche Hersteller: Zwar sind dort in den letzten Jahren viele Arbeitsplдtze abgebaut worden, aber der Umsatz ist im ersten Halbjahr um mehr als 10% gewachsen.

(aus: Kaleidoskop Wirtschaft, zitiert nach FAZ, gekьrzt und bearbeitet)

Fragen zum Leseverstehen „Das Weihnachtsgeschдft begann besser als erwartet“ Bitte antworten Sie in Stichworten

1. Wie soll sich der Umsatz mit Spielwaren im nдchsten Jahr entwickeln?

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